
Wenn sich die Musik der Düsseldorfer Symphoniker aus dem Graben der Düsseldorfer Oper oder von der Bühne der Tonhalle erhebt und ihre Harmonien den Raum vibrieren lassen, erlebt man zutiefst sinnliche Genüsse. Axel Kober, Generalmusikdirektor und Dirigent sowie die Musiker Ruth Legelli, Solo-Flötistin, und Michael Flock-Reisinger, Cellist, sind bei den Düsseldorfer Symphonikern, kurz ,DüSys´, tonangebend. Mit ihrer Kunst und ihrem Können bereiten sie ihrem Publikum Momente, die eine Fülle an Emotionen wecken: Freude und Melancholie, Spannung und Kontemplation, Ruhe und Rausch, Versunkenheit und Euphorie. Doch die Voraussetzungen für diese täglich auf den Punkt gebrachte Höchstleistung sind vielfältig. Es geht nicht ohne Leidenschaft, nicht ohne das immerwährende Streben nach Perfektion und auch nicht ohne ein exzellent orchestriertes Zusammenspiel. Unbedingt erforderlich hingegen sind Liebe und Hingabe. Denn nur durch diese können viele Individuen zu einem Klangkörper zusammenwachsen und erfüllende Erlebnisse schenken.
Es gibt erstaunliche viele Parallelen, die wir zwischen dem musikalischen Schaffen der ,DüSys´ und der kreativen Genusswelt der Konditorei Heinemann entdecken. Lauschen wir hinein – in die Welt der Düsseldorfer Symphoniker.
Lesezeit: 21 min

Handwerk, Präzision und das immerwährende Streben nach Perfektion
Das Handwerk eines Konditors erfordert präzises Arbeiten und genaue Rezepte und Techniken, um perfekte Torten und Pralinen in immer gleicher Qualität herzustellen. Musiker müssen sich an Partituren halten und ihre Technik perfektionieren, um gemeinsam ein harmonisches und fehlerfreies Konzert zu geben. Wann ist für Sie ein Konzert perfekt? Und wie fühlt sich das an?

Kober: Ich finde es spannend, den Vergleich zu einer Konditorei zu ziehen. Ich könnte mir vorstellen, dass es dort auch zwei Prozesse gibt. Zum einen ist da der kreative Prozess, wenn man eine Torte oder Praline entwickelt. Dann kommt der Perfektionsanspruch in der Produktion, dass diese eine Praline immer gleich schmeckt. In unserem Bereich weiß ich nicht, ob es das perfekte Konzert überhaupt gibt, weil uns durch die Interpretationsmöglichkeiten immer ein Spielraum bleibt. Perfektion würde ich erstmal als eine eher technische Angelegenheit sehen, dass jede Note am richtigen Platz ist, dass jede Dynamik eingehalten wird. Aber darüber hinaus entsteht natürlich etwas Kreatives, etwas sehr Persönliches, was von dem Moment abhängt. Perfektion ist also die anzustrebende Basis, auf der man ein Konzert entwickeln kann. Davon ab möchte ich aber ein Konzert gar nicht ganz genauso wieder spielen, wie es zuvor war, das wäre zu eindimensional gedacht.

Flock-Reisinger: Für mich gibt es eher den perfekten Moment in einem möglichst perfekten Konzert. Dieser Moment hängt von so vielen Faktoren ab. Auch davon, wie man diesen für sich selbst erlebt und wie ihn draußen das Publikum empfindet. Da kann es Unterschiede geben. Besonders während Opernaufführungen erlebe ich es häufiger, dass ich das Gefühl hatte, der Abend war mittelmäßig, das Publikum jedoch war begeistert. Und das kann auch umgekehrt sein. Diese Divergenz und Subjektivität sind spannend.

Legelli: Ich würde gerne die Frage voranstellen, wie sich Perfektion anfühlt. Für mich war Perfektion zunächst etwas, was ich im Studium versucht habe zu erreichen. Während unserer Aufführungen gibt es Situationen, in denen man sich einfach freuen kann. Weil sich die Musik entspannt anfühlt, weil man merkt, dass alle im gleichen Boot sind, das gleiche Gefühl haben. Das ist dann ein Abend, bei dem ganz viele Menschen auf der gleichen Insel angekommen sind. Das kann man jedoch nicht vorausberechnen, das entsteht plötzlich. Es kann sein, dass eine Premiere so perfekt vorbereitet ist, dass wir als Musiker entspannt hineingehen können. Ich habe dann das Gefühl von größerer Freiheit, und darauf kann dann ein Wohlgefühl entstehen. Wenn sich dies einstellt, kann ich perfekt spielen. Mir wäre also wichtig zu sagen: Das Gefühl entsteht zuerst und die Technik geht dann von alleine. Denn wenn ich dieser hinterherrennen würde, würde ich verkrampfen und das würde keine Freude machen. Was Michael Flock-Reisinger eben zur Interaktion mit dem Publikum sagte, erfahre ich auch. Dass auch in Momenten, in denen man meint, sich gar nicht so sehr eingebracht zu haben, bei den Menschen draußen ein Gefühl entsteht, welches ihnen etwas gibt. Das ist es, was unseren Job ausmacht.
„Wenn ich absolute Perfektion erreicht hätte, dürfte ich ja dieses Konzert kein weiteres Mal mehr geben. Denn ich würde an meinem eigenen Anspruch scheitern.“
Axel Kober, Generalmusikdirektor und Dirigent Düsseldorfer Symphoniker
Wann haben Sie einen perfekten Konzertabend zuletzt erlebt?
Kober: Das passiert recht häufig, wenn man mit guten Ensembles zusammenarbeitet. Das sind dann Abende, aus denen man erfüllt hinausgeht. Ich würde aber niemals sagen: besser geht’s nicht. Es entsteht schon ein großes Wohlgefühl, aber wenn ich absolute Perfektion erreicht hätte, dürfte ich ja dieses Konzert kein weiteres Mal mehr geben. Denn ich würde an meinem eigenen Anspruch scheitern.
Legelli: Wir spielen ja jeden Tag. Das ist unser Beruf und da ist immer etwas Schönes dabei. Aber wenn ich auf das ganze letzte Jahr zurückschaue, hatte ich – ganz subjektiv – drei- oder viermal das Gefühl, ja, das war echt cool heute.
Flock-Reisinger: Es gibt immer wieder diese Momente, die wie komponiert sind. Wo man das Gefühl hat, dass jetzt alle dabei sind, dass jetzt die Hütte brennt. Gegen Ende der ‚Götterdämmerung‘ zum Beispiel. Das ist berauschend.





Kreativität, Hingabe und die Freiheit der Interpretation
Neben der handwerklichen Präzision ist in der Konditorei Heinemann auch Kreativität gefragt, um immer wieder neue Spezialitäten zu entwickeln. Wo sind für Sie als Musiker und Dirigenten die Spielräume, innerhalb klarer Vorgaben eine persönliche Note in die Darbietung einzubringen?
Kober: Man hat schon große Möglichkeiten. Wir begreifen uns als eine Kultur, die ja zum größten Teil Werke reproduziert. Unser Schaffen hat nur eine Bedeutung, wenn es auch kreativ ist. Ein Notentext, so klar er sein mag, gibt immer Spielraum für individuelle Auslegungen. Denn was ist eine kurze Note? Ist sie ganz kurz? Oder nur ein bisschen kurz? Das empfindet jeder anders und geht folglich mit dem Notentext individuell um. Wichtig ist, nah an den Noten zu bleiben und sich möglichst in den Komponisten hineinzuversetzen.
„Ein Orchester, in dem nur Häuptlinge sind, aber keine Indianer,
Michael Flock-Reisinger, Cellist Düsseldorfer Symphoniker
würde nicht funktionieren.“

Zu welchen Teilen ist Ihre Arbeit Handwerk, zu welchen Teilen Interpretation oder Emotion?
Kober: Wenn zwei Cellisten das gleiche Stück vom Notentext her perfekt spielen, wird es dennoch ganz anders klingen. Das hängt vom Instrument ab, aber auch vom Körper, der anders vibriert.
Legelli: Das ist wie bei der menschlichen Stimme. Man sagt das Gleiche, aber es klingt unterschiedlich. Oder nehmen wir mein Blasinstrument, die Flöte. Da spielen mein Atem und mein Körper eine große Rolle. So entsteht immer etwas Individuelles. Wir Musiker erzeugen durch unsere Instrumente eine bestimmte Klangfarbe und unser Dirigent Axel Kober gibt vor, wann und wie wir unsere persönliche Note bringen sollen. Ein Dirigent muss die Musik hervorbringen, ohne selbst ein Instrument zu spielen. Das stelle ich mir sehr spannend vor.
Flock-Reisinger: Und einen gemeinsamen Nenner zu finden ist bestimmt nicht immer leicht. Ein schöner und andauernder Lernprozess für mich ist es, mich mit meinem Cello auch mal zurückzunehmen, ohne mich selbst ganz aufzugeben. Und auch nur das an Emotion zu geben, was gerade gebraucht wird. Ich sehe ‚forte‘ auf dem Blatt und dann geht’s los? Nein. Denn im Zusammenspiel mit allen Musikern und für die Verhältnismäßigkeit im Graben ist das nicht immer richtig. Axel Kober nimmt unsere Musik vorne am Dirigentenpult wahr und wird von einem Kollegen unterstützt, der ganz hinten im Raum hört, wie unsere Musik ankommt. Das kann sich von unserer Wahrnehmung im Graben unterscheiden. Daher ist Hierarchie im Orchester so wichtig und die Führungsmusiker müssen als verlängerter Arm des Dirigenten seine Anweisungen an ihre Gruppen weitergeben. Oder anders gesagt: Ein Orchester, in dem nur Häuptlinge sind, aber keine Indianer, würde nicht funktionieren.




„Wir ,DüSys´ schwelgen sehr gerne in einem süßen Klang.“
Ruth Legelli, Soloflötistin Düsseldorfer Symphoniker
Eines der berühmtesten und beliebtesten Produkte der Konditorei Heinemann sind die Trüffel mit Champagne. Wofür sind die Düsseldorfer Symphoniker am berühmtesten?
Legelli: Wir bedienen ein bestimmtes Genre, die Musik der Romantik um 1900, mit dieser fühlen wir uns sehr wohl. Und wir sind bekannt für unsere Wagner- Beethoven-, Puccini- und Haydn-Konzerte. In den letzten 15 Jahren, unter der Leitung von Axel Kober, lag unser Schwerpunkt bei Wagner-Stücken. Wir ,DüSys´schwelgen sehr gerne in einem süßen Klang, um in der Sprache der Konditorei Heinemann zu bleiben. Und wir verleihen der Musik gern Emphase, also individuellen Ausdruck.
Individualismus, Zusammenarbeit und Raum für Bestleistungen
In einer gut geführten Konditorei arbeitet ein Team von Konditoren zusammen, jeder mit seiner speziellen Aufgabe, um ein perfektes Endprodukt zu schaffen. Musiker müssen als Ensemble harmonieren. Wie schafft man es als Generalmusikdirektor und Dirigent, so viele Individualisten in einen Musikkörper zu verwandeln?
Kober: Man kann es versuchen und das ist meine tägliche Aufgabe (lacht). Es ist ähnlich wie in einer Konditorei: Einer muss ja die Geschmacksrichtung vorgeben. Für den Chef ist es doch am schönsten, wenn er es schafft, seine Konditormeister so von seinen Ideen zu überzeugen, dass sie am Ende total begeistert von ihrer eigenen Leistung sind und, ob bewusst oder unterbewusst, die vorgegebene Richtung mitgestaltet haben. Als Dirigent versuche ich, meinen Musikern einen Raum zu schaffen, in dem sie ihre persönliche Bestleistung bringen können. Und am Ende sollte sich bei ihnen das Gefühl einstellen: Heute war ich aber gut!

„Als Dirigent versuche ich, meinen Musikern einen Raum zu schaffen, in dem sie ihre persönliche Bestleistung bringen können.“
Axel Kober
Wie gestalten Sie diesen Raum, in dem sich alle wohlfühlen?
Kober: Da gibt es keinen Fahrplan. Manchmal muss ich die Zügel anziehen, manchmal ist es besser, es laufen lassen. Oder die Proben laufen schon so gut, dass ich bloß nicht stören sollte. Man kann es auch mit der Arbeit eines Fußballtrainers vergleichen: Wann schicke ich die Musiker zu ihren Familien? Wann ist Training? Trainiere ich eher spielerisch, eher taktisch oder mache ich Körpertraining? Das ist das Spannende an einer Konzert- oder Opernproduktion. Am Schluss muss alles aufgehen. Es gelingt mal besser, mal schlechter (lacht).
Was kann jeder einzelne Musiker zum Gesamtkunstwerk beitragen?
Legelli: Sehr viel. Ich bin Soloflötistin und spiele als solche meine Partitur. Die kann ich laut und leise spielen, kann mir Zeit nehmen oder Druck machen. Wir haben schon unsere Beweglichkeiten.


Darf man sich als Musiker eines Symphonieorchesters überhaupt erlauben, mal einen schlechten Tag zu haben?
Legelli: Das geht nicht anders. Aber es ist wie beim Hochleistungssport: Man ist auf Perfektion trainiert wird immer eine gewisse Leistung abrufen können, egal, wie man sich fühlt.
Kober: Wenn es ideal läuft, stützt man sich im Orchester gegenseitig. Wenn es nicht ideal läuft, reißt man sich gegenseitig herunter.
Flock-Reisinger: Wir spüren ja, ob es dem Pultnachbarn schlecht geht und dann kann selbst man etwas mehr geben, als man ursprünglich geplant hatte. Und es haben auch schon Fußballmannschaften mit einem Mann weniger das Spiel gewonnen (lacht).
Haben Sie ein Aufwärmtraining vor Ihren Konzerten?
Legelli: Das macht jeder mit sich aus. Manche haben ihre Rituale, andere brauchen diese nicht. Vor sehr diffizilen Aufführungen treffen sich kleine Gruppen schon mal im Stimmzimmer, um das Stück einzuüben.
Tradition, Innovation und die Bedeutung des Innehaltens
Die Konditorei Heinemann hat traditionelle Rezepte, die über Generationen weitergegeben werden, während sie gleichzeitig neue Spezialitäten entwickelt, die alte, aber auch neue Zielgruppen ansprechen. Sie als Orchester pflegen das klassische Repertoire und bewahren die musikalische Tradition. Wie sprechen Sie ein breites Publikum an?
Kober: Wir haben zwei Aufträge: die klassische Musik zu bewahren und neue Musik zu unterstützen. Und in letzter Zeit wurde viel unternommen, aus dem Elfenbeinturm herabzusteigen, in dem die Hochkultur viele Jahre ihren Sitz hatte. Ich habe beobachtet, dass im Publikum viele Ältere und gleichzeitig viele Jüngere sind, die unsere Vorstellungen besuchen, doch unsere mittlere Generation fehlt ein bisschen. Vielleicht, weil wir als Kinder nicht so sehr in den Genuss von musikalischer Bildung gekommen sind. Das ist heute aber der Fall, es wird in den Konzerthäusern sehr viel für Kinder und Jugendliche angeboten.


„Momente der Entschleunigung und der unmittelbaren Erfahrung werden wieder stärker geschätzt und gesucht.“
Ruth Legelli
Legelli: Wie bei einem Besuch in der Konditorei Heinemann schätzt man ja das zu Erwartende. Ein Tässchen Kaffee und dazu ein Stückchen Kuchen, genossen in angenehmer Atmosphäre. Ein kurzes Innehalten im Leben, welches man sich gerne gönnt. Bei der Musik ist es ähnlich und ich nehme ich stärker wahr, dass die schöne Tradition eines Konzertbesuchs und das damit verbundene gesellschaftliche Event wieder wichtiger werden. Ich ziehe mich schön an, gehe mit anderen Menschen in die Oper, genieße dort ein Konzert, trinke in der Pause ein Glas Sekt. Ich glaube, diese Momente der Entschleunigung und der unmittelbaren Erfahrung werden wieder stärker geschätzt und gesucht.
Welche Musik hören Sie eigentlich privat?
Kober: Da wähle ich sehr aus, aber durch viele Genres hinweg. Aber so nebenbei gelingt es mir nicht, Musik hören, das ist für mich keine Erholung. Ich streife auch gerne durch den Wald, wo alle Nebengeräusche wegfallen. Aber da es dort nicht wirklich still ist, findet sich im Wald auch eine ganz eigene Form von Musik.
Legelli: Auch ich genieße die Stille in der Natur, am Meer oder in den Bergen. Dort werde ich nicht abgelenkt und kann ich mich auf mich selbst zurückbesinnen. Aber ich male auch viel und dazu höre ich gerne Jazz.
Flock-Reisinger: Ich höre sehr ausgesucht Musik und eher wenig. Streichquartette höre ich gerne oder auch mal ganz laut einen Bruckner. Ich habe meine Phasen, da höre ich viel, dann wieder gar nichts.
Glück, Adrenalin und der Funke, der überspringt
Die Produkte einer Konditorei sollen Genuss bereiten und Emotionen wecken, sei es Freude, Nostalgie oder Überraschung. Auch Musik berührt die Emotionen des Publikums, sie erzeugt Freude, Melancholie, Begeisterung, Euphorie. Inwiefern merkt man im Graben, dass es im Publikum gefunkt hat?
Kober: Man merkt das sehr deutlich. Wobei ich diese Stimmung nur wahrnehme, wenn sie inspirierend ist. Wenn sie unterkühlt ist, stört sie mich nicht in meiner Konzentration. Eine positive Reaktion des Publikums kann sehr motivierend sein. Und bei einer Operninszenierung gibt es zusätzlich die optischen Reize durch Bühnenbild und Kostüme. Wie das Publikum diese wahrnimmt, merkt man deutlich.
Flock-Reisinger: Im Graben nehmen wir genau wahr, wie die Stimmung draußen ist, ob ein gespanntes Treiben und Raunen im Saal vorherrscht oder ob es eine eher schläfrige Atmosphäre ist.
Legelli: Genau, man merkt, ob die Leute unkonzentriert sind, sich viel bewegen oder husten. Oder ganz gebannt sind. Dann kann man nämlich eine Stecknadel fallen hören. Das überträgt sich extrem und ich selber kann mit meiner Musik dann ganz viel reingeben. So entsteht ein Wechselspiel zwischen uns und dem Publikum, man schaukelt sich gegenseitig in die Höhe.


„Als Musiker können wir nicht am Leben vorbei und vor uns selbst weglaufen.“
Axel Kober
Machen Sie sich das eigentlich bewusst, welches Glück Sie haben, diesen Beruf ausüben zu dürfen?
Kober: Es ist wichtig, dass man dies immer wieder tut. Und wenn, wie bei uns, eine gewisse Ernsthaftigkeit im Spiel ist, haben wir auch das Glück und die Pflicht, uns mit uns selber auseinandersetzen zu dürfen und zu müssen. Das betrifft unser Innerstes, aber auch unseren Körper und seinen muskulären Apparat. Nicht selten müssen Musiker wegen ihrer einseitigen Haltung zum Physiotherapeuten. Der Schmerz spielt in unserem Beruf also ebenfalls eine Rolle. Aber dennoch empfinde ich es als großes Glück, dass wir alle zu dieser Auseinandersetzung aufgefordert sind. Wir können nicht am Leben vorbei und vor uns selbst weglaufen.
Legelli: Ich habe diesen Beruf schon seit über dreißig Jahren, aber ich glaube es manchmal bis heute nicht, welches Glück ich damit habe. Dann sitze ich da und denke: Ist schon irre, du hast es geschafft, du darfst gemeinsam mit anderen musizieren, immer wieder neue Musik aufführen. Das ist wirklich ein schönes Gefühl.
Flock-Reisinger: Und dann gibt es noch diese Gefühlsdisziplin. Wir müssen mit unserer Arbeit auf den Punkt Gefühle hervorrufen. Und natürlich ist man auch selbst emotional beteiligt und gibt viel Power hinein. Man erlebt Adrenalinschübe, an die man sich in gewisser Weise zwar gewöhnt, aber nach einem Konzert ist man auch oft ganz leer. Diesen Emotionen können belastend, aber auch schön sein, das kommt im Wechsel. Aber hätte ich diese Dynamik nicht, würde mir etwas fehlen. Denn mein Cellospiel kann für mich wie ein Ventil funktionieren. Für mich ist Musik lebenswichtig. Wenn ich nicht musizieren könnte, wäre das ganz komisch, da müsste ich mich vollkommen neu erfinden.

„Wenn ich nicht musizieren könnte, wäre das ganz komisch, da müsste ich mich vollkommen neu erfinden.“
Michael Flock-Reisinger
Leidenschaft, Gesamtkunstwerke und der Wunsch nach einer neuen Oper
In der Konditorei Heinemann erlebe ich große Leidenschaft für das Handwerk und ebenso große Hingabe, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Gibt es neben der Musik noch andere Bereiche, für die Sie Leidenschaft empfinden?
Kober: Essen! Gutes Essen genieße ich leidenschaftlich und ich koche auch gerne.
Legelli: Ich male gerne, ich koche auch sehr gerne, ich liebe jegliche Art der Betätigung auf dem Wasser oder im Hochgebirge.
Flock-Reisinger: Da bin ich mehr der bequeme Typ, ich muss nicht auf Berge kraxeln. Ich mache alles in Maßen.
Das Erlebnis des Kunden in der Konditorei Heinemann ist vom ersten Anblick der Auslage bis zum Genuss der Produkte bewusst durchkomponiert. Wie inszenieren Sie ein Gesamterlebnis für Ihr Publikum in der Oper oder in der Tonhalle?
Kober: Das Gesamtkunstwerk wird tatsächlich immer wichtiger. Wir entwickeln einerseits immer wieder neue Sichtweisen auf die Stücke, mit der man neue Dimensionen öffnet und das Publikum fasziniert. Darüber hinaus ist ein Opernbesuch auch ein Event. Dabei spielt die Räumlichkeit eine große Rolle. Das Foyer, die Architektur, die gastronomischen Möglichkeiten. In die Hamburger Elbphilharmonie beispielsweise gehen die Leute auch wegen des Gebäudes und nicht nur wegen des Konzerts. In der Düsseldorfer Oper gibt es leider räumliche Begrenzungen, die man nicht überwinden kann.
Höre ich da heraus, dass Sie für eine neue Oper wären?
Kober: Absolut, Düsseldorf braucht eine neue Oper. Unser heutiges Operngebäude ist schon lange nicht mehr zeitgemäß. Wir haben nur eine kleine Seitenbühne. In anderen Häusern kann man auf Drehbühnen weitere komplette Bühnenbilder lagern und schnell auswechseln. Es müssen dringend Lösungen gefunden werden, dass sowohl der Spielbetrieb als auch der Publikumsbetrieb mehr Freiräume erhalten.
„Düsseldorf braucht eine neue Oper.“
Axel Kober


Anerkennung, Verehrung, und internationale Verständigung
Die Heinemann-Produkte sind auch im Ausland beliebt, zum Beispiel in den USA oder in Japan. In welchem Land neben Deutschland erfahren die Düsseldorfer Symphoniker die größte Verehrung?
Legelli: Als Düsseldorfer Symphoniker haben wir viele Anfragen aus dem Ausland, aus Spanien oder Österreich und vor allem aus dem asiatischen Bereich. Dort wird deutsche Musik sehr verehrt.
Kober: Ich war gerade in Tokio. Da gab es bei jedem Konzert 30 oder 40 Autogrammjäger, die alles zur Unterschrift dabeihatten, jede CD, alle Plakate und Booklets.
In der Konditorei Heinemann arbeiten Menschen aus vielen Kulturkreisen harmonisch miteinander. Wie groß ist die kulturelle Vielfalt bei den Düsseldorfer Symphoniker und wie funktioniert sie?
Legelli: Bei uns arbeiten 26 Nationen hervorragend zusammen. Und das ist in unserer Branche ganz normal. Denn wenn wir Musik machen, sind wir alle gleich, es gibt keine Unterschiede zwischen Sprache oder Kultur.
Flock-Reisinger: Musik ist zum Glück eine international verständliche Sprache. Und durch unterschiedliche Herkunft und kulturelle Hintergründe erfahren wir Bereicherung.

Genuss, Heimat und die besondere künstlerische Note in der Zukunft
Die Konditorei Heinemann wie auch die Düsseldorfer Symphoniker verfolgen das Ziel, Momente des Genusses zu verschaffen, die lange nachklingen. An welchen Genussmoment in Ihrer Laufbahn erinnern Sie sich besonders gerne?
Kober: O, an so irre viele. Da kann ich beim besten Willen gar nichts herauspicken.
Und was für Genüsse würden Sie sich bei der Konditorei Heinemann herauspicken?
Legelli: Ich mag besonders die Schwedische Apfeltorte.
Kober: Ich bin ein Fan der Trüffel mit Champagne. Aber eigentlich mag ich alles von Heinemann.
Flock-Reisinger: So geht’s mir auch.

Herr Kober, Sie beenden nun ihre Zeit als Generalmusikdirektor der Düsseldorfer Symphoniker. Inwiefern hat sich das Orchester unter Ihrer Leitung verändert?
Kober: Ich glaube schon, dass sich einiges verändert hat. Einerseits musikalisch – es hat sich sicher der Blick auf die deutsche Romantik verändert. Andererseits unsere interne Kommunikation. Ob positiv oder negativ, müssen andere bewerten.
„Axel Kober hat Ruhe und Genuss in unsere Kunst gebracht, aber auch Dynamik. Wir sind jetzt ein Sportflitzer.“
Ruth Legelli, Soloflötistin Düsseldorfer Symphoniker
Legelli: Ich habe noch die Zeit vor Axel Kober erlebt. Damals waren wir ein stabiles, lautes deutsches Orchester, ein richtiger Tross, ein Dampfer. Wir Musiker brauchten viel Kraft, auch physisch. Und auch unser Miteinander war schwerfälliger. Axel Kober hat dafür gesorgt, dass unser Klang weicher geworden ist, wir wurden zu einem fluiden, eleganten Orchester mit eigenem Stil. Er hat unsere eigene Kreativität aufgedeckt, lässt uns Musikern unsere Freiheit, bettet diese aber in ein Gesamtkonzept ein, welches er dirigieren kann. Axel hat Ruhe und Genuss in unsere Kunst gebracht, aber auch Dynamik. Wir sind jetzt ein Sportflitzer.

Flock-Reisinger: Genau. Wir hatten vorher diese altdeutsche Klangkultur, ein bisschen schwer und dumpf. Das Orchester hat sich dann an wichtigen Schaltstellen verjüngt, was viel ausmacht. Axel Kobers Verdienst war es, die Orchestererziehung im besten Sinne voranzutreiben. Um das Bild des Kochens zu bemühen: Die gesunde Mittelmeerküche hat bei uns Einzug gehalten.
Wird dies die Basis sein für die Zusammenarbeit mit künftigen Dirigenten?
Flock-Reisinger: Hoffentlich gibt es jemand, der das Erreichte geschickt weiter formen kann.
Und was wünschen Sie den ,DüSys´ für die Zukunft?
Kober: Ich wünsche den ,DüSys´ viele erfolgreiche Musikmomente und einen Dirigenten, mit dem sie gut zusammenarbeiten können. Mein größter Wunsch wäre jedoch eine örtliche Heimat für das Orchester. Denn momentan haben die ,DüSys´ keinen Ort, wo sie einfach sein können. Sie haben keinen geeigneten Probenraum, kaum Stimmzimmer, kaum Übungszimmer für Proben in kleinen Gruppen. Aber ein Orchesterklang wird nun mal auch von den Räumlichkeiten geprägt. Wenn ich bei den Wiener Symphonikern probe, dass herrscht dort ein Wohlklang und man fühlt sich auch als Musiker wohl, das überträgt sich. In Düsseldorf gibt der Orchestergraben das nicht her, wir müssen uns immer disziplinieren, können nicht frei und locker sein. Daher wünsche ich den Düsseldorfer Symphonikern Räume, in denen sie ihre wunderbare Musikalität entfalten können.
„Ich wünsche den Düsseldorfer Symphonikern Räume,
Axel Kober, Generalmusikdirektor und Dirigent Düsseldorfer Symphoniker
in denen sie ihre wunderbare Musikalität entfalten können.“

Welche Note werden Sie Ihrem Leben künftig geben?
Kober: Ich übe die Tätigkeit als Generalmusikdirektor nun seit 25 Jahren ohne Pause aus. Und seit 15 Jahren leite ich hier in Düsseldorf ein kompliziertes Unternehmen mir mehreren Spielstätten und dem größten fest angestellte Sänger-Ensemble Europas. Mein Begriff vom Beruf des Generalmusikdirektors war es immer, vor Ort zu sein und das ganze Haus mitzugestalten. Für alles die Verantwortung zu tragen. Meine künftige Note wird sein, mal hinein zu spüren, wie es sich anfühlt, nur künstlerisch tätig zu sein und die über die Musik hinausgehende Verantwortung nicht zu tragen. Das möchte ich jetzt einmal erleben und ich brauche das auch für mich als Künstler. Und ich freue mich sehr darauf.
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute.
Fotos: Martin Blum
Sie sind neugierig geworden auf die Düsseldorfer Symphoniker? Hier ein paar Links:
Video-Interview mit GMD und Dirigent Axel Kober
Über Die DüSys auf der Seite der Düsseldorfer Oper
Konzerte der DüSys in der Tonhalle
Alle Mitglieder der DüSys

Guten Tag, vielen Dank für den schönen Artikel. Als Abo-Besucherin der Oper komme ich gerade auf eine Idee: es wäre doch toll, wenn die köstlichen Heinemann-Pralinen bei Veranstaltungen an den Getränke-Theken verkauft würden.
Eine köstlich-sinnliche Ergänzung zum Ohrenschmaus!
Liebe Maxita66, danke für diese wundervolle Idee. Weiterhin vielfältige Genüsse mit kleineslaster.com