Dr. Dorothee Achenbach Portrait

Der Mensch ist nicht das Maß aller Dinge: Dr. Dorothee Achenbach

Heinemann-Fan Dorothee Achenbach

Fast niemand kennt die „Ups and Downs“ des Lebens so gut wie Dr. Dorothee Achenbach. Die promovierte Kunsthistorikerin, Kunstberaterin, freie Journalistin und Autorin hat über ihr ereignisreiches Leben mehrere Bücher geschrieben und mit diesen Bestseller-Erfolge erzielt. Im Café Heinemann an der Düsseldorfer Kö erzählt Dorothee Achenbach, was ihr Leben heute prägt: Gelassenheit und Humor, Familie und Genuss und der tiefe Glaube daran, dass es eine höhere Instanz gibt.

Dr. Dorothee Achenbach
Ohne Filter und mit Filterkaffee: Dorothee Achenbach in Erzähllaune
Ohne Filter und mit Filterkaffee: Dorothee Achenbach in Erzähllaune

Frau Dr. Achenbach, als Buchautorin sind Sie ja eine erfahrene Erzählerin. Ich schlage vor, ich gebe Ihnen nur Stichworte und Sie lassen uns assoziativ an Ihren Geschichten und Erlebnissen teilhaben. Wären Sie mit dieser Idee einverstanden?
Ja. Dann legen Sie mal los.

„Kunst und Kommerz“
Ich bin ja von Hause aus Kunsthistorikerin. Wenn man nicht in die Hochschullehre gehen will, aber in diesem Beruf Geld verdienen möchte, landet man meist in einer Galerie, in einem Auktionshaus oder im Kunsthandel.. Und somit mitten im Kommerz. Das kann man nun kritisch sehen, aber das tue ich nicht. Denn auch Künstler müssen schließlich von ihrer Kunst leben. Die Vermarktung von Kunst und dass ein Künstler in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, ist eben an die Mechaniken des Kommerzes gekoppelt. Kunst und Kommerz schließen sich also für mich überhaupt nicht aus.
Meine Lieblingskünstler sind u. a. Gerhard Richter und der in Düsseldorf lebende Ulrich Erben. Besonders mag ich auch Albert Oehlen. Für mich war es toll zu beobachten, wie er als junger Maler von der Akademie zum Weltstar reifte und trotzdem ganz auf dem Boden geblieben ist. Wenn ich kunstinteressierte Menschen berate, gehe ich ganz systematisch vor. Ich kläre das Budget und erforsche dann den Geschmack und die stilistische Grundrichtung. Wenn Sie z. B. ein eher bodenständiges Budget haben und reduzierte Kunst lieben, würde ich einen jungen Künstler empfehlen. Spontan fällt mir Jennifer López Ayala ein. Ihr Thema ist das Ei und hiermit erschafft sie spannende Installationen.

Familie und Freunde: höchtes Glück und größte Freude
Familie und Freunde: höchtes Glück und größte Freude

Dankbarkeit: eine große Kraft

„Hab und Gut“
Ist völlig überbewertet. Zumindest das „Hab“. Wenn man „Hab und Gut“ hatte und es dann plötzlich weniger wird oder nicht mehr in der Fülle vorhanden ist, merkt man, dass das „Gut“ nicht weniger wird.
Ich habe immer viel geschrieben, früher auch Tagebuch. Zudem mache ich mir oft Notizen, denn im Fluss des Lebens vergisst man so viel. Heute führe ich außerdem ein Dankbarkeitstagebuch. In diesem notiere ich kleine Begebenheiten, für dich ich dankbar bin: wenn meine Tochter fröhlich war am Telefon, wenn die grünen Papageien wieder in den Bäumen sitzen oder wenn der Gingko-Baum herrliche gelbe Blätter bekommt. Diese kleinen Dinge mache ich mir bewusst, indem ich sie aufschreibe. Aus dem Kopf in die Hand und aufs Papier – so sitzen die Dinge einfach tiefer. Dankbarkeit kann man trainieren und man zieht Energie daraus.
Um Kraft zu schöpfen, gehe ich auch ab und zu in die Kirche und bete, dann halte ich Zwiegespräch mit der Mutter Gottes. Ich bin mit dem katholischen Glauben aufgewachsen und habe diesen tief verinnerlicht. In meiner Heimatstadt Trier habe ich eine katholische Mädchenschule besucht. Auch meine Kinder habe ich entsprechend erzogen. Denn ich glaube fest daran, dass nicht der Mensch das Maß aller Dinge ist, sondern dass es eine übergeordnete Instanz gibt. Aus der Institution Kirche bin ich aber mittlerweile ausgetreten, denn ich konnte die Haltung der Katholischen Kirche zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs nicht mittragen. Ebenso wenig deren Haltung zur Homosexualität und zur homosexuellen Ehe. Ich habe diese Gründe mit unserem Pfarrer lange besprochen und er zeigte Verständnis für meine Entscheidung, aus der Katholischen Kirche auszutreten. Meinem Glauben aber kann dies nichts anhaben.

Höhere Instanz: An diese glaubt die Kunstexpertin fest.
Höhere Instanz: An diese glaubt die Kunstexpertin fest.

„Schall und Rauch“
Darüber muss ich erstmal nachdenken. Ich glaube, dass auch der größte Kummer am Ende irgendwann vergeht und verfliegt, sich auflöst. Außer, man verliert einen lieben Menschen, dies würde ich davon ausnehmen. Ich spreche eher von den Kümmernissen des Alltags, die weniger werden und sich irgendwann verflüchtigen. Auch Ruhm kann sich schnell in Schall und Rauch auflösen. Ich glaube jedoch daran, dass die Menschen einen irgendwann nach dem beurteilen, was man wirklich ist, nicht nach dem, was man nach außen darstellt, vielleicht Erfolg oder eine schillernde Oberfläche.
Auf jeden Fall habe ich mittlerweile eines gelernt: Wenn mich an einem anderen Menschen etwas stört, kann ich nicht diesen Menschen ändern, sondern nur mich selbst und meine Einstellung zu ihm. Früher dachte ich immer, dass ich das hinbekomme, ob bei meinem Ex-Mann oder bei Arbeitgebern, selbst bei meinen eigenen Kindern. Wenigstens bei denen, dachte ich, muss das doch klappen, da kann ich doch Einfluss nehmen. Aber von wegen (lacht). Man kann sich natürlich ewig am jeweils anderen abarbeiten, aber das bringt nichts. Mich selbst zu ändern, das habe ich in der Hand.

Neid und Missgunst: am eigenen Leib erfahren

„Neid und Missgunst“
Ich würde sagen: leider eine sehr deutsche Eigenschaft. Neid und Missgunst sind destruktive und zerstörerische Gefühle, die ich zutiefst verabscheue. Auch Rache gehört für mich dazu. Und warum sollte ich überhaupt jemand etwas missgönnen? Ich freue mich doch lieber für den anderen, wenn es ihm gut geht. Das setzt viel positivere Energien frei. Auch das Wort „Schadenfreude“ ist eine Vokabel, die es in vielen anderen Ländern gar nicht gibt. So wird dieser deutsche Begriff sogar in andere Sprachen exportiert. Leider habe ich Schadenfreude am eigenen Leib erlebt. Eine bittere Erfahrung, aber so sind die Menschen eben. Darüber hinaus: Wenn ich auf jemand wütend, neidisch oder missgünstig bin, bleibt das negative Gefühl doch bei mir, ich füge mir also damit selbst Schaden zu. Solange man dankbar sein kann für das eigene Glück, braucht auch niemand solche negativen Empfindungen zu haben.

Neid und Missgunst: schlechte Energien, die nur Kraft rauben
Neid und Missgunst: schlechte Energien, die nur Kraft rauben

„Gedeih und Verderb“
Irgendwie empfinde ich diese Begriffe als nicht mehr zeitgemäß. Was für ein extremer Gegensatz: gedeihe oder verderbe! Würde ich mich also etwas oder jemandem ganz und gar, auf Gedeih und Verderb ausliefern? Wohl kaum. Mit meiner Lebenserfahrung und als gereifter Mensch würde mir das nicht passieren und auch früher ist mir das nie passiert. Dafür war und bin ich zu selbstbestimmt und zu eigenständig. Bedingungslose Hingabe halte ich dagegen für etwas sehr Schönes.

„Freund und Feind“
Manchmal schwer zu unterscheiden! Leider! Auch da habe ich meine Erfahrungen gemacht. Feind ist natürlich ein starkes Wort. Ein „Feind“ zeigt sich wohl eher durch üble Nachrede, gemeinen Klatsch und Tratsch. Übrigens hat das Wort „Klatsch“ eine evolutionäre Bedeutung. Klatsch hatte bei unseren sehr frühen Vorfahren eine Warnfunktion und eine soziale Kontrollfunktion. Es war also ganz sinnvoll, wenn man auf dem Weg von der einen zur anderen Höhle vor jemandem warnen konnte. Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn Klatsch einfach nur bösartig und diffamierend ist. Auch davon kann ich ein Lied singen. Zum Glück habe ich jedoch gute Freunde, von denen ich weiß, dass sie immer zu mir halten. Zu ihnen zählt übrigens auch Heinz-Richard Heinemann, der mir in der sehr schwierigen Zeit beistand. Diese Freundschaft empfinde ich als etwas sehr Wertvolles. Ich lebe jetzt seit einigen Jahren allein und musste in dieser Zeit wirklich viele Herausforderungen meistern. Oft war das schwierig für mich, aber ich hatte immer viel Unterstützung von meinem Umfeld. Und man muss verzeihen können, das ist auch wichtig. Meinem Ex-Mann habe ich verziehen. Denn er ist wie er ist und ich kann ihn ja nicht ändern. Ich halte viel von der alten Weisheit: Blicke nie zurück im Zorn.

„Humor und Selbstironie“
Absolut überlebenswichtige Eigenschaften! Ich bin ein großer Fan von Humor, der ist etwas Wunderbares. Denn „nobody is perfect“. Da ist es gut, wenn man auch mal über sich lachen kann und auch, sich mal infrage zu stellen. Wer sich zu ernst nimmt, hat schon verloren. Und mit einem Lächeln oder Lachen kann man so viel mehr erreichen und leichter durchs Leben kommen. Dann gibt es auch immer wieder Situationen im Leben, die so absurd sind, dass man eigentlich nur noch darüber lachen kann. Oder man schreibt eben darüber. Mein Buch „Meine Wäsche kennt jetzt jeder“ ist ja auch denkbar selbstironisch.

Erfolgsautorin: Manchmal ist das Leben so absurd, dass man es aufschreiben muss.
Erfolgsautorin: Manchmal ist das Leben so absurd, dass man es aufschreiben muss.
Meine Wäsche kennt jetzt jeder: Bestseller à la Achenbach
Meine Wäsche kennt jetzt jeder: Bestseller à la Achenbach

Barmherzigkeit und Gemeinsinn: Wohltaten für unsere Gesellschaft

„Liebe und Hoffnung“
Mehr Liebe und mehr Barmherzigkeit würden unserer Gesellschaft guttun. Auch mehr Toleranz und Mitmenschlichkeit. Ich vermisse all dies gerade jetzt in der Pandemie. Das Virus reißt Gräben in unserer Gesellschaft auf. Auch die Gräben zwischen Geimpften und Ungeimpften sind so tief, die Toleranz auf beiden Seiten ist manchmal gleich null. Mancher Ungeimpfte argumentiert mit seiner körperlichen Unversehrtheit. Aber was ist mit der Unversehrtheit des Gegenübers? Persönliche Freiheit geht immer einher mit Verantwortung für den anderen. Und wenn wir uns eben demnächst alle einmal im Jahr impfen müssen, ähnlich wie gegen die Grippe, dann ist das doch kein zu hoher Preis für die Gesundheit unserer Gesellschaft. Wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren und müssen miteinander sprechen und zusammenhalten. Ganz besonders angesichts der vielen Toten, die die Pandemie fordert und die zum Teil einsam sterben müssen. Angesichts dieser furchtbaren Tragödie brauchen wir alle – mehr denn je – Liebe und Hoffnung.
Liebe und Hoffnung würde ich aber auch auf mein Privatleben beziehen: Trotz aller Unabhängigkeit fände ich es schön, eines Tages den passenden Partner zu finden, mit dem ich durchs Leben gehen könnte. Im Alltag jemanden zu haben, mit dem man dann abends auf dem Sofa gemeinsam Netflix schauen könnte, das wäre nett. Aber es müsste ja wirklich passen, und zwar für beide. Und wenn man nicht mehr ganz jung ist, hat man einerseits gewisse Ansprüche und andererseits spürt man schneller, ob man zusammengehört oder nicht. Meine Freundinnen empfehlen mir, auch einmal die digitalen Wege der Partnersuche zu nutzen und nicht darauf zu warten, dass mir der Traummann an der Supermarktkasse begegnet. Aber ich scheue mich noch davor. Allerdings schließe ich auch nichts aus. Jedenfalls gilt: Wenn der Mann keinen Kuchen mag, kann er gleich zuhause bleiben (lacht).

Nobody is perfect: mit Humor und Selbstironie geht man leichter durchs Leben.
Nobody is perfect: mit Humor und Selbstironie geht man leichter durchs Leben.

„Kind und Kegel“
Habe ich beides! Ich bin dankbar für meine beiden Kinder. Meine Tochter studiert in Wien Psychologie, mein Sohn arbeitet zurzeit in Düsseldorf und möchte danach weiter studieren. Kegel habe ich auch ganz viele, denn mein Ex-Mann hat 6 Kinder und acht Enkel. Der Kontakt untereinander ist gut, wir sind eine wilde Patchwork-Familie. Weihnachten feiere ich aber im kleinen Kreis, nur mit meinen Eltern und meinen Kindern. Zudem bin ich noch stolze Patentante. Die Zwillinge von Heinz-Richard Heinemann sind meine Patenkinder und ich staune immer wieder, was die beiden schon alles können und wissen und wie unterschiedlich sie sind. Eine Familie, die funktioniert und Freunde, die zu einem halten, halte ich für das allergrößte Geschenk. Damit schafft man alles im Leben.

Freunde: Dorothee Achenbach und Heinz-Richard Heinemann
Freunde: Dorothee Achenbach und Heinz-Richard Heinemann

„Kraut und Rüben“
Da fällt mir das alltägliche Chaos ein. Wie so viele habe auch ich während der Pandemie aufgeräumt und ausgemistet. Meine vielen Umzüge der letzten Jahre haben ebenfalls dazu beigetragen, dass ich nicht mehr so viel mit mir herumschleppe. Dennoch habe ich immer noch diese Badezimmerschublade, in der alles wild herumfliegt. Oder Ordner auf dem Computer. Aber ich bin grundsätzlich sehr strukturiert und ordentlich, zumindest bemühe ich mich, denn Ordnung erleichtert das Leben ungemein. Was ich auch sehr ordentlich führe, sind die Fotoalben meiner Familie, die sind mir heilig.

Genießerin: Dr. Dorothee Achenbach im Café Heinemann auf der Kö
Genießerin: Dr. Dorothee Achenbach im Café Heinemann auf der Kö

Musik und Genuss: einfach mal hin und weg sein

„Hin und weg“
Noch gar nicht lange her, da war ich hin und weg in der Tonhalle. Bei einem Klavierkonzert von Igor Lewit. Da kamen mir die Tränen. Musik, besonders klassische Musik, geht bei mir vom Ohr direkt in Herz und berührt mich immer sehr. Wenn ich in ferner Zukunft einmal sterben muss, würde ich dies am liebsten während einer Opernaufführung tun. Dann säße ich ganz ruhig in meinem Sessel und die letzten Momente wären mit wunderschönen Klängen erfüllt.
Wünsche für ein kleines „Weg“, eine Reise, hätte ich auch noch: Eine Fahrt auf dem Amazonas, das wäre die Erfüllung eines Traumes. Ich bin außerdem sehr frankophil. An der Pariser Sorbonne hatte ich damals promoviert und ich verbinde viele positive Erinnerungen mit dieser Stadt. Einmal vier Wochen lang einfach so in Paris einzutauchen, das wäre herrlich, da wäre ich hin und weg.

„Kaffee und Konditorei“
Eine Zeit lang schrieb ich eine Kolumne für die Rheinische Post. Einmal behandelte ich das Thema, dass man mit Torten von Heinemann sehr gut von innen gegen Falten arbeiten kann. Daran arbeite ich auch (lacht). Ich bin nämlich eine ganz Süße und liebe Torten und Schokolade. Aber ich bin sehr wählerisch und daher kaufe ich diese eigentlich nur bei Heinemann. Ich schätze generell die Qualität hier, auch bei den Gerichten. Zu Weihnachten gab es bei uns auch schon mal Gänsekeulen von Heinemann. Das war ja so entspannt, die nicht selber kochen zu müssen. Und die Königsberger Klopse toppen sogar die meiner Großmutter – und die waren schon hervorragend.

Liebe Frau Dr. Achenbach, danke für das Gespräch.

Getestet und für gut befunden: Heinemann-Fan Dorothee Achenbach
Getestet und für gut befunden: Heinemann-Fan Dorothee Achenbach

Fotos: Martin Blum

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