Dr. Murat Dagdelen im kleineslaster-Interview

Feines Näschen für Menschen: Schönheitschirurg Dr. Murat Dağdelen

Der Plastische Chirurg Dr. Murat Dağdelen beim Interview für kleineslaster, den Blog der Konditorei Heinemann

Er verliebte sich in die Stadt Düsseldorf, die für ihn wie keine andere Schönheit und Lebensfreude verkörpert. Beim Interview im Café-Restaurant Heinemann verrät uns Beauty-Doc und unser Stammgast Dr. Murat Dağdelen, wie er mit der Instant-Schönheit von Selfie-Filtern konkurriert, was die skurrilsten OP-Wünsche seiner Patienten sind, ob wir überhaupt noch „in Würde“ altern können und warum man öfter mal bei Heinemann frühstücken sollte.

Grüne Tüte: Der Plastische Chirurg Dr. Murat Dağdelen erscheint zum Interview in Düsseldorf
Grüne Tüte: Der Plastische Chirurg Dr. Murat Dağdelen erscheint zum Interview in Düsseldorf

Herr Dr. Dağdelen, Sie praktizieren als Plastischer, Rekonstruktiver und Ästhetischer Chirurg in Düsseldorf. Wohin schauen Sie zuerst, wenn Sie einen Menschen treffen?
Wie jeder andere Mensch auch schaue auch ich zuerst in die Augen, denn die Augen sind der Spiegel zur Seele. Der zweite Blick fällt auf die Nase, denn Nasen sind meine chirurgische Spezialität. Ich bewerte jedoch nicht, ich analysiere eher die Gesamtproportionen des Gesichts oder des Körpers.

Denken Sie dann sofort über Verbesserungspotential nach?
Es geht mir dabei weniger um Optimierung, sondern eher darum, die neuen Schönheits-Trends zu analysieren. Denn auch in der Ästhetischen Chirurgie gibt es diese Trends. Als Plastischer Chirurg erkenne ich meistens, wenn jemand operiert ist und schaue z. B. bei Brustimplantate, ob sie auffällig oder eher natürlich gemacht sind. International kann es durchaus unterschiedliche Trends geben, insofern nutze ich auch einen Urlaub für solche Studien.

„Einen kleinen Makel finde ich oft ganz schön“

Was macht einen Menschen schön? Was bedeutet „Schönheit“ für Sie persönlich?
Für mich ist ein Körper schön, bei dem die Proportionen stimmig sind. Es gibt Frauen, wie Kim Kardashian, die extreme Formen bevorzugen, einen ausladender Hintern beispielsweise. Das ist für mich jedoch Chaos, das passt einfach nicht. Ich strebe nach Ordnung und ausgewogenen Proportionen. Wobei ich einen kleinen Makel auch oft ganz schön finde. Eine kleine Hakennase kann je nach Typ sehr gut aussehen. Oder der berühmte Schönheitsfleck von Cindy Crawford, der ist ja streng genommen ein Makel, aber dieser hat sie eben auch einzigartig gemacht.

Reden Sie also Patienten mit einer in Ihren Augen stimmigen Hakennase ihren Operationswunsch wieder aus?
Wenn Patienten zu mir kommen, ist deren Wunsch meist schon gefestigt. Ich frage dann nach den Ursachen und Beweggründen. Wenn diese nachvollziehbar sind, muss ich niemanden überreden. Wenn sich allerdings jemand nur operieren lassen möchte, weil ein neuer Lebenspartner seine Nase nicht schön findet, versuche ich diesen Menschen auch schon mal vom Gegenteil zu überzeugen. Nicht alle Wünsche werden von mir einfach so erfüllt.

Ausstrahlung: Dr. Murat Dağdelen sieht immer auch den ganzen Menschen
Ausstrahlung: Dr. Murat Dağdelen sieht immer auch den ganzen Menschen

Was war Ihr persönlicher Antrieb, die Initialzündung, den Beruf des Schönheitschirurgen zu wählen?
Als Arzt übe ich ja einen Heilberuf aus. Es gab ein Ereignis, welches mich schon als kleines Kind für diese Tätigkeit eingenommen hat. Ich wurde als Sechsjähriger beim Radfahren von einem Auto angefahren, hatte schwere innere Verletzungen der Organe und Prellungen und war sehr lange im Krankenhaus. Nach einiger Zeit auf der Intensivstation kam ich auf die Normalstation und erlebte dort, welch wertvolle Arbeit das Ärzte- und Pflege-Team leistete. Ich hatte viel Spaß mit den Schwestern und mich interessierte, was so eine Nachtschwester zu tun hat. Ich war neugierig und durfte hier und da dabei sein. Krank und verletzt zu sein und dann geheilt zu werden, war für mich so ein einschneidendes und prägendes Erlebnis, dass auch ich helfen und heilen wollte.


Ursprünglich hatte ich die romantische Vorstellung, als Landarzt durch die Dörfer Anatoliens zu ziehen, denn daher stammen meine Eltern und deren Vorfahren. In diesen Regionen müssen die Menschen oft lange Wege zurücklegen, um einen Arzt zu erreichen und ich wollte mit meinem Arztkoffer umherreisen und armen Menschen unentgeltlich helfen. Aber leider lässt sich so keine Existenz aufbauen. Ich habe dann die Chirurgen-Laufbahn eingeschlagen. Dabei hatte ich das Glück, gleich zu Beginn meiner Laufbahn sechs Jahre in der Plastischen Chirurgie arbeiten zu können, aber gleichzeitig auch die Dienste in der Allgemein- und Unfallchirurgie machen zu können. So habe ich viele Facetten der Chirurgie kennengelernt. Dann wurde ich Leitender Oberarzt in Kassel, wo ich u. a. Dekubitus- und Brustkrebs-Patienten betreut habe. 2016 ließ ich mich als Plastischer, Rekonstruktiver und Ästhetischer Chirurg in Düsseldorf nieder, einer Stadt, die für Schönheit und Lebensfreude steht und in die ich mich sofort verliebt habe.


Was übrigens viele nicht wissen: Der Begriff des „Schönheitschirurgen“ ist nicht geschützt, jeder Arzt darf sich so nennen, da sollte man als Patient sehr aufpassen. Lediglich der Titel „Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie“, den auch ich trage, ist geschützt und garantiert Professionalität.

„Als Plastischer und Rekonstruktiver Chirurg in Indien zu arbeiten, war eine prägende Erfahrung für mich“

Was wurde eigentlich aus Ihrem Traum, ärmeren Menschen zu helfen?
Mein früh ausgeprägtes Bedürfnis, Menschen zu helfen lebe ich parallel zu meiner Tätigkeit als Ästhetischer Chirurg aus: Ich war schon zwei Mal in Indien, wo ich in sogenannten „Plastic Surgery Camps“ ehrenamtlich und unentgeltlich zwei Wochen lang operierte. Diese Patienten, meist Kinder, haben Narben oder Tumore, sie haben Verbrennungen oder Fehlbildungen erlitten, die ich gemeinsam mit anderen Kollegen versorge und heile. In Indien gehen die Patienten oft viele Kilometer zu Fuß, um sich von unserem Team behandeln zu lassen. Wenn wir sie austriagieren mussten, das bedeutet, ihre Operation zugunsten noch dringenderer Fälle zurückzustellen, waren sie nicht böse. Sie bewarben sich einfach im Folgejahr wieder für eine Behandlung im Plastic Surgery Camp. Die Freude und Dankbarkeit der Inder, wenn sie von uns geheilt werden konnten, ist immens, einfach unvorstellbar, das muss man erlebt haben. Wir bilden in diesen Camps außerdem auch Ärzte vor Ort aus, so wird unsere Arbeit noch nachhaltiger. Es ist uns wichtig, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, etwas zu bewegen.

Indien: Dr. Murat Dağdelen operiert ehrenamtlich Kinder mit Verletzungen oder Verbrennungen
Indien: Dr. Murat Dağdelen operiert ehrenamtlich Kinder mit Verletzungen oder Verbrennungen
Plastic Surgery Camp: zwei Wochen im Dienst der indischen Kinder
Plastic Surgery Camp: zwei Wochen im Dienst der indischen Kinder
Handwerkszeug: Schönheitschirurgenhände für die Feinarbeit an Gesicht und Körper
Handwerkszeug: Schönheitschirurgenhände für die Feinarbeit an Gesicht und Körper

Wenn man sich auf Ihrer Website informiert, gewinnt man den Eindruck, dass Sie absolut alle Teile des Körpers, auch die intimsten, optimieren können. Wo ziehen Sie Grenzen?
Die Nachfrage hat sich in der Tat verändert. Aber ja, es gibt Grenzen. Manche Frauen möchten sich die unteren Rippen entfernen lassen, um schlanker zu sein. Das mache ich nicht, denn dies könnte diverse Probleme verursachen, z. B. während einer Schwangerschaft oder wenn Organe eingedrückt werden. In Amerika sehen die Chirurgen das allerdings lockerer – leider. Erst kürzlich sind in Düsseldorf zwei Menschen nach einer Schönheits-OP gestorben. Beide hatten einen „BBL“, einen „Brazilian Butt Lift“, bei dem der Po mit Eigenfett aufgepolstert wird. Die Behandlungen haben keine erfahrenen Fachärzte durchgeführt, sondern Internisten, weswegen die Frauen an einer Fett-Embolie verstorben sind. Das ist natürlich traurig und tragisch und es zeigt, wie essenziel wichtig es ist, sich von einem Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie behandeln zu lassen.

Brustvergrößerung, Lippenvergrößerung und das Anheben der Augenbrauen sind derzeit die beliebtesten Wünsche ganz junger Frauen. Ab welchem Alter sprechen Patient*innen bei Ihnen vor?
Wir operieren Patienten erst ab 18 Jahren. Vorher ist man noch im Wachstum und eine Operation würde keinen Sinn machen. Einzige Ausnahme: Abstehende Ohren legen wir auch schon bei Kindern und Jugendlichen an.

Hängepartie? Nicht mit Beauty-Doc Dağdelen!
Hängepartie? Nicht mit Beauty-Doc Dağdelen!

„Instagram-Stars sehen in Wahrheit auch nicht so aus“

Seit Neuestem gibt es ein Krankheitsbild: die „Selfie Dismorphie“, also die empfundene Diskrepanz zwischen ungefiltertem und digital optimiertem Selbstbild. Die glatte Schönheit, die man durch Smartphone-Filter schnell erreichen können, streben besonders Frauen auch im analogen Leben an. Wie gehen Sie damit um?
Wenn Patientinnen Bilder von sich mitbringen, macht dies grundsätzlich Sinn für eine Konsultation, so kann man zusammen besser über die Vorstellungen sprechen. Aber diese gefilterten Fotos als die Wahrheit anzusehen, ist natürlich falsch. Jungen Frauen erkläre ich oft, dass die Influencerinnen oder Instagram-Sternchen in Wirklichkeit auch nicht so aussehen – erst nach 15 Filtern. Schließlich hatte ich ja schon einige in der Praxis und kann dies beurteilen. Meine Gesprächspartnerinnen sind dann regelrecht erleichtert, dies zu hören, es nimmt den Druck von ihnen. Erstrebenswert wäre es natürlich, wenn man sich selbst akzeptieren und schön finden kann, so wie man ist. Aber Menschen sind heute viel vitaler als noch vor Jahrzehnten und möchten diese Vitalität in Einklang mit ihrem Erscheinungsbild bringen. Und welcher Mensch möchte nicht so aussehen, wie er sich fühlt? Dabei helfen können auch schon kleinere Touch-ups wie Skin-Care-Produkte oder Unterspritzungen, es muss nicht immer operiert werden.

Viel erlebt, viel gelacht: Alltag eines Ästhetischen Chirurgen
Viel erlebt, viel gelacht: Alltag eines Ästhetischen Chirurgen

Was war die skurrilste OP-Anfrage, an die Sie sich erinnern können?
Ein sehr unscheinbarer und kräftiger Mann, der gar nicht wirkte, als würde er sich besonders um sein Aussehen kümmern, wollte unbedingt eine Feen-Nase, also ein ganz kleines, zartes Näschen. Diese Nase passte nicht nur ganz und gar nicht zu seinem Erscheinungsbild, sie war technisch auch nicht zu operieren. Daher habe ich abgelehnt. Aber mir war schnell klar, dass dieser Mann eigentlich ganz andere Hilfe benötigte. So habe ich ganz vorsichtig versucht, ihn an einen Kollegen zu vermitteln, der sich um seine Psyche kümmern würde. Aber der Patient war uneinsichtig und bot mir dann sogar viel Geld, damit ich ihn wunschgemäß operierte. Ich blieb bei meiner Diagnose, dass es nicht möglich sei.


Mein Beruf erfordert oft psychologisches Feingefühl. So hatte ich Besuch von einer Patientin, die von mir schon kleinere Eingriffe an ihrem Gesicht hat vornehmen lassen. Sie wollte sich unbedingt erneut operieren lassen, aber ich sah, dass es ihr nicht gutging, sie war stark abgemagert. Ich fragte, wie sie sich denn fühle und sie erzählte mir von einem Schicksalsschlag. Sie hatte an Weihnachten ihren Sohn verloren, er war mit Mitte Dreißig ganz plötzlich an einer Herzmuskelentzündung verstorben. Ich habe sie getröstet und um sie abzulenken, habe ihr von unserm Familienhund erzählt, welche Freude er uns macht. Statt sich operieren zu lassen, schaffte sie sich kurz danach auch einen Hund an und schickte mir eine Karte, auf der sie sich bei mir bedankte. Dafür machen wir unsere Arbeit, wir möchten doch alle ein wenig Dankbarkeit. Wenn Menschen dankbar sind, freut mich das sehr.


Ein Fall, bei dem ich von einer Krankheit sprechen würde und der durch die Presse ging, war die ehemalige Stewardess Martina Big, die als blonde Frau aus der Eifel davon träumte, eine afrikanische Barbie mit extremer Oberweite zu werden. Sie ließ sich in mehreren Operationen 20-Liter-Brüste verpassen und ihr wurde Melatonin gespritzt. Sie wurde dunkelhäutig und heute geht sie als afrikanische Frau durchs Leben.

„Ablehnung beziehen Menschen oft auf ihr Äußeres“

Warum fällt es vielen so schwer, in Würde zu altern, also Frieden zu schließen mit dem Prozess der körperlichen Veränderung und der eignen Vergänglichkeit?
Es gibt intrinsische und extrinsische Fakten hierfür. Intrinsisch bedeutet, dass die Gründe aus einem selbst kommen wie z.B. eine innere Unzufriedenheit. Extrinsisch heißt, dass die Einflüsse von außen kommen, möglicherweise hat man Ablehnung aus seinem Umfeld erfahren und dies auf sein Aussehen bezogen. Jemand hat vielleicht die Erfahrung gemacht, einen Job nicht zu bekommen, weil er zu alt ist. Ich finde, dass vor allem auch die Sozialen Medien Schuld tragen. Leute bekommen mit, dass Social-Media-Stars immer perfekt aussehen und noch dazu Unsummen verdienen, ohne überhaupt eine richtige Ausbildung zu haben.

Was empfinden Sie bei sich selbst als Makel?
Wenn ich einen Makel habe, dann ist es mein Schlafzimmerblick (lacht). Ich habe nämlich eine leicht hängende Augenpartie. Sicher ist: Niemand ist so ganz ohne Makel. Und auch an mir geht die Zeit nicht spurlos vorüber. Ich habe aber vorbeugend schon früh mit kleineren Botox-Injektionen begonnen, damit sich auf meiner Stirn keine tiefen Falten bilden. Meine Verwandten – mit ähnlicher Genetik – haben alle diese Falten und das wollte ich bei mir verhindern. Zudem habe ich ein, zwei Mal Hyaluronsäure zum Aufpolstern des Gesichts genutzt. Alles in allem also nur ganz kleine aber wirksame Eingriffe.

Wie ist das bei Ihrer Frau?
Meine Frau hat zwar einen Schönheitschirurgen geheiratet, ist aber tatsächlich nicht operiert und hat auch keine expliziten Wünsche. Sie findet es nicht schön, wenn sie Frauen sieht, die die gleichen Augenbrauen haben oder die gleichen Lippen. Sie ist wohl einfach entspannt und zufrieden. Von den Ehefrauen mancher Kollegen hingegen kann man das nicht sagen, bei denen wurde einiges gemacht. Wie heißt es ja auch so schön: „Happy Wife, happy Life“! Vielleicht ist die Versuchung einfach zu groß, ich weiß es nicht (lacht).

Früher wurde es eher verheimlicht, wenn man etwas „hat machen lassen“. Aber
Prominente wie Jürgen Klopp oder Harald Glööckler sprechen ganz offen über ihre Operationen. Gehören Schönheitsoperationen mittlerweile zum Lifestyle?

Im Iran habe ich es erlebt, dass sich junge Frauen beim Einkaufsbummel ein OP-Pflaster auf die Nase klebten, obwohl sie gar nicht operiert wurden. Einfach, weil es dort als schick gilt, zum Plastischen Chirurgen zu gehen. Auch in Deutschland unterziehen sich viele Prominente einer Behandlung und verschweigen diese nicht. Im Gegenteil, manchmal ist es ja eine gute Story. Unter meinen Patienten sind auch Reality-Stars wie Sarah Joelle und Domenico de Cicco oder das Erotikmodel Micaela Schäfer. Diese Namen darf ich nennen, denn bei ihnen bin ich von der Schweigepflicht entbunden, die ich sonst natürlich ernst nehme. Ich würde schon sagen, dass ein Besuch beim Schönheitschirurgen mittlerweile zum Lifestyle mancher Menschen gehört. Wenn man es sich leisten kann und zu einem guten Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie geht, spricht nichts dagegen, sein Aussehen zu optimieren. Man sollte aber auch nicht sein letztes Hemd dafür geben. Bedenklich ist, wenn man das Geld eigentlich nicht hat und dann Schönheits-Tourismus betreibt und sich billiger im Ausland, in Thailand, Mexiko oder der Türkei, operieren lässt. Da muss man Glück haben, denn es gibt keine Versicherung und keine Haftung, wenn etwas schief geht. Und irgendwann geht immer etwas schief. Zum Glück hatte ich noch nie ernste Komplikationen und meine Revisionsquote liegt bei zwei Prozent. Es ist höchstens mal vorgekommen, dass ich nachoperieren musste, weil die Patientin bei ihrer neuen Stupsnase doch noch mehr „Stubs“ haben wollte. Wir Ästhetischen Chirurgen behandeln ja an sich gesunde Menschen. Ich habe daher immer den Anspruch, jede Operation besonders gut zu machen, so als läge dort meine Mutter, mein Vater oder meine Schwester auf dem OP-Tisch.

„Schönheitsoperationen gehören für manche schon zum Lifestyle“

Heinemann-Promi-Wand: Auch bei Dağdelen geben sich die Reichen und Schönen die Klinke in die Hand
Heinemann-Promi-Wand: Auch bei Dağdelen geben sich die Reichen und Schönen die Klinke in die Hand

Die Nachfrage nach ästhetischen Behandlungen stieg seit Beginn der Corona-Pandemie sogar noch weiter an. Wie erklären Sie sich dies?
Die Patienten hatten plötzlich mehr Zeit und vielleicht auch mehr Geld übrig. Und man nutzte den Umstand, dass man weniger Leute traf, die wegen der Pflaster und Verbände nachfragen könnten. Der Wunsch nach einer Operation hatte sich vielleicht schon früher gebildet, aber man hat sie in dieser Zeit eben häufiger umgesetzt. Nach den Lockdowns haben sich die Zahlen aber auch wieder nivelliert.

Was beglückt Sie am meisten in Ihrem Beruf?
Mich beglückt, wenn ich die missglückte Schönheitsoperation eines schon voroperierten Patienten noch einmal zum Besseren korrigieren kann. Das sind für mich immer die schwierigsten Operationen. Aber wenn solch ein Patient nach seiner Odyssee nachher zufrieden ist mit dem Ergebnis, macht mich das sehr, sehr glücklich. Und ein bisschen stolz. Außerdem macht mich Dankbarkeit glücklich. Z. B. die dankbaren und fröhlichen Kinder in Indien, wenn ich sie gesund machen konnte, wenn ich ihnen Leid ersparen konnte. Hier in Düsseldorf zeigen manche Patienten ihre Dankbarkeit auch – wenn ich Glück habe, mit Heinemann-Pralinen (lacht).

„Menschen nützlich sein und Ziele und Wünsche am besten nicht auf die lange Bank schieben“

Was bedeutet für Sie persönlich ein gutes und gelingendes Leben?
Es macht mich zufrieden und gibt mir ein gutes Gefühl, wenn ich Menschen helfen und nützlich sein kann. Das kann ich in meinem Beruf als „Beauty-Doc“. Dann finde ich es wichtig, wenn man sich Ziele setzt und Träume hat und deren Umsetzung nicht auf die lange Bank schiebt. Mein Motto ist „Carpe Diem“, „Nutze den Tag“. Das geht vielleicht nicht immer, aber ich versuche, es zu beherzigen. Die Türken haben ein Sprichwort: „Lebe wild, sterbe früh, damit dein Leichnam gut aussieht“ (lacht). Man muss nicht unbedingt uralt werden, wichtiger ist die Lebensqualität. Und schließlich ist ein Leben gut, wenn man gesund ist. Gesundheit ist das Wichtigste.

Nachdenklich: Dağdelen über Zeit und Genuss
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Inwiefern sind Sie ein Genussmensch?
Zeit zu haben ist für mich ein wahrer Genuss, gerade, weil ich wenig davon habe. In meinem durchgeplanten Berufsalltag kommt aber der Genuss leider oft zu kurz, meist schiebt man sich zwischen den Operationen ein Brötchen rein. Zum Glück kocht meine Frau sehr gut, denn das kann ich selbst leider nicht. Das einzige Gericht, welches mir erstaunlicherweise gelingt, ist Spaghetti Bolognese, das konnte ich über die Jahre perfektionieren. Und manchmal verschaffe ich mir bewusst Genussmomente, indem ich morgendliche Besprechungen ins Café-Restaurant Heinemann verlege. Dort genieße ich dann die Ruhe, die freundliche Bedienung und das leckere Frühstück. Diese kleinen Alltagsfluchten in die Konditorei Heinemann sollte man sich eigentlich viel öfter gönnen. Einfach mal ein gesundes Frühstück, ein Mittagsgericht oder Stückchen Torte mit einer Tasse Kaffee genießen.

Welches sind für Sie die wichtigsten Genussmomente im Leben?
Im Urlaub Zeit für die Familie zu haben und in einem tollen Hotel hochwertige Küche zu genießen. Sich einen schönen Moment bewusst zu machen und diesen dann auskosten. Nicht nur blind konsumieren, sondern dankbar sein für alles, was man hat und erreicht hat. Ja, Dankbarkeit zu empfinden ist wirklich wichtig.

Familienmensch: Zuhause tankt Schönheitschirurg Dağdelen wieder auf
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„Genuss bedeutet für mich: Zeit haben, bewusst konsumieren und leben“

Welche Gerüche und welche Gerichte verbinden Sie mit Ihrer Kindheit?
Ich liebe den Geruch von offenem Feuer, auf dem frisch gekocht wird. Dieser spezielle Geruch erinnert mich an meine Kindheit, wenn wir meine Großeltern in einem Dorf in Anatolien besucht haben. Dort wurde auf einem riesigen Herd in großen Küchen mit viel Ruß an der Wand gekocht. Diese köstlichen Essensgerüche zogen überall hin und haben sich in mir verankert.

Ihr Lieblingsgericht in der Konditorei Heinemann?
Neben dem reichhaltigen Frühstück im Café-Restaurant Heinemann mag ich besonders die Heinemann-Champagnetrüffel.

Würden Sie sagen, dass Sie ein kleines Laster haben?
Die Tüte Chips vorm Fernseher zum Beispiel, mit dem dazugehörigen schlechten Gewissen, weil ich die nicht mehr abtrainieren kann. Ich habe aber noch nie eine Diät gemacht, weil ich einfach grundsätzlich sehr gerne esse. Gutem Essen kann ich nicht widerstehen.

Ihr Vorname Murat bedeutet übersetzt „Wunsch“, „Sehnsucht“. Was wünschen und ersehnen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass die Leute bewusster durchs Leben gehen, den Konsum vielleicht ein bisschen einschränken, zum Wohle unserer Umwelt. Und ich ersehne mir, dass die Welt nicht nur vom Corona-Virus befreit wird, sondern auch vom Krieg. Ich wünsche mir eine Welt in Frieden und Gesundheit.

Herr Dr. Dağdelen, vielen Dank für das Gespräch.

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Fotos: Martin Blum/mind.work

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