Heinemann Verkaufsleiterin Tanja Behrens

Teamplayerin mit Hang zur Herzlichkeit: Verkaufsleiterin Tanja Behrens

Daumen hoch: für Tanja Behrens und ihr Verkaufsteam!

Heute blicken wir hinter die Kulissen der Konditorei Heinemann und lernen Tanja Behrens kennen. Im Heinemann-Verkaufsgeschäft im Kö-Center/Eingang Blumenstraße sorgt sie dafür, dass die Aufstellung stimmt, die Regeln beherzigt werden und immer Fairplay herrscht. Wir erfahren, was Feinkost mit Fußball zu tun hat, wie das Probieren von Pralinen Sprachgrenzen überwindet und ob es einen Heinemann-Schlachtruf gibt.

Frau Behrens, Sie sind großer Fußballfan, insbesondere Fan von Bastian Schweinsteiger. Wie kommt´s?
Diese Leidenschaft entstand während der Europameisterschaft 2008, als Bastian Schweinsteiger seine große Zeit zusammen mit Lukas Podolski hatte. „Schweini“ ist einfach ein richtig guter Typ, ein ehrlicher Charakter mit viel Charme und Humor, der sehr natürlich geblieben ist. Außerdem gefiel mir seine Frisur. Leider hat er ja mittlerweile aufgehört zu spielen, ich bin ab er nach wie vor sein Fan. Da unsere Produktion in Mönchengladbach ist, arbeiten in der Konditorei Heinemann viele Gladbach-Fans, aber ich war und bin überzeugter Bayern-Fan. Wichtige Spiele schaue ich gerne zusammen mit Freundinnen an, wir nennen das dann unser EM- bzw. WM-Studio. Mit dabei sind meine fußballkundigen Kolleginnen Petra Müllegans und Steffi Dübbers, letztere ist eingefleischter Gladbach-Fan. Als Bayern-München einmal gegen Gladbach spielte, ging es bei uns hoch her und wenn ich mich dann traue, mit meinem Bayern-Trikot anzukommen, wollen mich die Gladbach-Fans am liebsten in die hinterste Reihe verbannen.

Was glauben Sie ist härter: eine Fußballmannschaft jeden Tag zu Topleistungen zu coachen oder Ihre „Heinemannschaft“?
Der Vergleich gefällt mir. Ich würde sagen, beides ähnelt sich wirklich sehr, weil jeder Tag eine neue Herausforderung darstellt. Weil auch wir viele verschiedene Charaktere im Team haben. Auch wir im Verkauf brauchen eine sportliche Einstellung sowie Teamgeist, Ausdauer und Disziplin. Mittlerweile weiß ich auch, dass auch Auszeiten wichtig sind. Besonders nach dem Weihnachtsgeschäft, auch wenn wir diese Zeit mit dem ganzen Trubel besonders lieben.

Welche Skills brauchen Sie denn am meisten: Coach, Schiedsrichter, Stürmer, Verteidiger?
Eindeutig alle. Es ist ein dauerndes Wechselspiel. Auch in unserer Mannschaft gibt es Stürmer, das Mittelfeld und den Torwart, der den Kasten sauber hält. Der bin ich dann wahrscheinlich. Dann stürme ich wieder und zwischendurch muss ich auch verteidigen. Zum Beispiel die Harmonie innerhalb des Teams, wenn es mal Probleme geben sollte, aber auch, wenn jemand unsere Produkte kritisiert. Natürlich gehen wir mit Beschwerden immer aufmerksam und behutsam um, wir hören gut zu und nehmen sie ernst. Darin werden wir gut trainiert und dieses Training ist auch wichtig. Aber in unserem Spiel gibt es unumstößliche Grundregeln, nämlich die der Frische, die der Qualität und die der Hygiene. Da wird weder gefoult und noch gefudelt, von niemandem. Wenn also ein Kunde der Meinung ist, wir würden alte Ware verkaufen oder sonstige Reklamationen hat, klären wir ihn ganz in Ruhe auf. Es ist uns wichtig, dass unsere Kunden zufrieden sind und wir finden auch immer eine gute Lösung.

Souverän: Tanja Behrens hält den Ball flach und die Ansprüche hoch
Souverän: Tanja Behrens hält den Ball flach und die Ansprüche hoch

Sind Sie nichts ohne Ihr Team oder ist Ihr Team nichts ohne Sie?
Früher dachte ich, müsste alles selber machen, aber nicht, weil ich befürchtete, dass das Team ohne mich nicht funktionieren würde. Mit der Zeit habe ich gelernt, loszulassen, auch mal Verantwortung abzugeben und darüber bin ich froh. Wir praktizieren hier ein gutes Geben und Nehmen. Wenn sich meine Leute ehrlich freuen, mich nach meinem Urlaub wieder zusehen, ist das auch für mich schön. Auch wenn sie sicher hin und wieder auch froh sind, wenn ich nicht da bin. Denn auch bei mir gibt es Tage, an denen ich nicht alles perfekt rüberbringe, dessen bin ich mir bewusst und ich trainiere ständig, besser zu werden. Niemand ist perfekt.

Ihre Verkaufsmannschaft an der Kö umfasst ca. 20 Mitarbeiter. Wie motivieren Sie die?
Natürlich braucht jeder etwas Gestaltungsfreiheit, um Freude an seinem Job zu haben. Ich vertraue meinen Mitarbeitern, lasse Vieles laufen und ich weiß, dass sie mitdenken. Meistens funktioniert das sehr gut. Auch mein Chef Heinz-Richard Heinemann gibt mir einen Vetrauensvorschuss und innerhalb klar definierter Regeln genieße ich viele Freiheiten. In richtig turbulenten Zeiten, wie zu Ostern oder Weihnachten, muss das Team auch nicht extra motiviert werden, da erfüllt jeder zuverlässig seine Aufgabe. Wenn wir Erfolg hatten und gute Verkaufszahlen erreicht haben, belohne ich das Engagement aller auch gerne mit Schokolade oder Pralinen. Im Übrigen dürfen unsere Mitarbeiter auch alles probieren, schließlich sollten wir ja wissen, was wir verkaufen. Das trägt auch zur guten Stimmung bei.

Haben Sie so etwas wie einen „Schlachtruf“ bei der Arbeit?
Ein Schlachtruf ist es nicht direkt, aber ein Motto: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“. Das beherzige ich schon. Dazu gesellt sich immer öfter „Einfach mal locker lassen.“ Und wenn mal wieder durch Urlaub oder Krankheit das Personal knapp ist: „Ach, das kriegen wir auch noch hin.“

Für was bekäme man bei Ihnen die gelbe Karte?
Ganz klar: Wenn man mit der Ware nicht sorgfältig umgeht, man darf damit keinesfalls fudeln. Und in einem Team mit überwiegend Frauen passiert es schon mal, dass eine „von hinten durch die kalte Küche kommt“, während eine andere wiederum sehr zart besaitet ist. Konflikte oder Unstimmigkeiten schaue ich mir dann an und schlichte gegebenenfalls. Ein paar Männer mehr täten unserer Damenmannschaft übrigens ganz gut. Also, Männer, bewerbt euch!

Gute Laune hinter den Kulissen: das Team vom Spüldienst
Gute Laune hinter den Kulissen: das Team vom Spüldienst

Sie sind in leitender Position in einem Familienunternehmen. Was bedeutet für Sie persönlich Familie?
Zusammenhalt. Rückendeckung. Vertrauen. Spaß. Ankommen und heimkommen. Sich wohl fühlen. Auch meine Freunde gehören für mich zur Familie.

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie abends nach Hause kommen?
Ich habe zwei Katzen, auf die ich mich freue. Und ich genieße die Ruhe in meinem Hinterhof und das erstaunlich stille Leben mitten in der Großstadt, denn ich wohne gar nicht weit von hier. Besonders während der ersten, eingeschränkten Phase von Corona hat mich der weite Blick von der Terrasse meiner Dachwohnung immer wieder erfreut. Ich mag es, hoch oben zu wohnen und dass niemand über mir „herum trampeln“ kann. Hier schalte ich ab.

Bei Heinemann wird Tradition groß geschrieben. Haben Sie auch privat lieb gewonnene Traditionen?
Ein paar Traditionen pflege ich schon, ich esse zum Beispiel jeden Tag ein Stück Kuchen. Ganz besonders aber an Weihnachten: An Heiligabend schließen wir das Geschäft um 14 Uhr, danach feiern wir Kollegen bei Prosecco und Käsegebäck Weihnachten, was immer feuchtfröhlich ist. Als meine Mutter noch nicht im Pflegeheim lebte, kam sie danach immer mit Kartoffelsalat mit Würstchen zu mir. Jetzt müssen wir leider anders planen. Am ersten Weihnachtsfeiertag wird immer nur gegammelt und sich erholt. Und über meinen Geburtstag im Januar verreise ich meist.

Erzählen Sie mir etwas über Ihren Werdegang und von Ihren ersten Tagen bei Heinemann?
Neben meiner Bewerbung als Konditorei-Fachverkäuferin bei Heinemann hatte ich auch eine als Zahnarzthelferin laufen, ich war damals wohl noch unsicher, was ich werden wollte. Da ich aber so viel Angst vor dem Zahnarzt habe, wäre wohl kaum eine gute Zahnarzthelferin aus mir geworden. Zum Glück konnte ich dann die leckere Variante wählen. Nach zwei Praktikumstagen habe ich von 1983 bis 1986 meine Lehre in dem damals noch existierenden Café-Restaurant auf der Berliner Allee gemacht. Frau Michels war meine Ausbilderin, sie war ganz schön streng. Die Tonart damals war generell ruppiger als heute, aber es war dennoch viel Herz dabei und man hat sich wirklich gut um uns Auszubildende gekümmert. Dass es eine andere Zeit war, zeigt auch, dass manche Kunden absolut nicht von einer Auszubildenden bedient werden wollten, so etwas kommt heute eigentlich kaum noch vor.

Gab es auch mal etwas zu lachen?
Ich habe viel Lustiges erlebt, gerade in meiner Anfangszeit. Oben auf der Auslage der Kuchentheke lagen einmal kleine Törtchen und ein Kunde fragte mich, ob das Reistörtchen wären. Ich war unsicher, konnte aber gerade niemanden fragen, bejahte und packte ihm eins ein. Hinterher wurde mir gesagt, dass es eine herzhafte Quiche Lorraine war, da war der Kunde aber schon aus der Tür. Genascht wurde früher eher heimlich, das war noch nicht so akzeptiert wie heute, und wir Azubis machten das immer verborgen hinter einem Vorhang. Einmal zog unsere Ausbilderin diesen aber beherzt auf und wir vier Azubis hatten die Backen voller Schneider-Wibbel-Garn. Diese Praline ist ja riesengroß, das ließ sich wirklich nicht verbergen. Unvergessen auch, als mir einmal eine Torte, die ich elegant und mit Schwung durch den Vorhang lavieren wollte, im hohen Bogen durch das Café flog. Alles war voller Puderzucker und ich war hochrot.

Was ist das Wichtigste, was Sie in Ihrer Berufslaufbahn gelernt haben?
Auf Qualität und Frische zu achten, das habe ich wirklich bei Heinemann gelernt. Das macht das Unternehmen ja auch aus, das ist der rote Faden, oder besser gesagt, der grüne. Auch ein gewisses System, eine Ordnung zu haben, die Arbeit geht so besser von der Hand.

Was würden wohl Ihre Mitarbeiter über Sie als Chefin sagen?
Ich vermute, das würde eine bunt gemischte Wundertüte sein. Vielleicht würden sie sagen, dass ich locker und offen wäre, manchmal auch streng, dass ich den Durchblick hätte und dass ich das alles meistern würde. Sie würden mich wahrscheinlich als „hart, aber herzlich mit der Tendenz zu herzlich“ charakterisieren.

Im Einsatz für guten Geschmack: Frau Hostert und Frau Behrens
Im Einsatz für guten Geschmack: Frau Hostert und Frau Behrens

Ist ein Arbeitsplatz an der Kö „Bundesliga“?
Meiner Meinung nach ist dies der schönste Laden und wir sind auch das Aushängeschild. Ich kann hier aus dem Vollen schöpfen, meine Ware schön präsentieren, das macht mir Freude. Ich könnte mir keinen anderen Laden vorstellen, obwohl ich vorher auch eine gute und lange Zeit in der Bahnstraße hatte. Hier im Kö-Center ist einfach alles vertreten, vom klischeehaften Kö-Flanierer, der edle Marken einkauft, bis zu jungen Leuten und Familien mit Kindern und Hunden. Dazwischen Schauspieler oder Sänger. Nicht zu vergessen Fußballer wie Jens Lehmann oder Pierre Littbarski, die waren auch schon hier. Von Littbarski war ich übrigens auch Fan, ich mochte seine O-Beine. Auch Udo Jürgens kam früher regelmäßig zum Frühstück her. Er hat bei uns Ruhe gesucht und wollte unerkannt bleiben, ihn haben wir daher auch niemals angesprochen und haben seinen Wunsch respektiert. Unter unseren Stammgästen sind viele bekannte Persönlichkeiten, doch unsere wichtigsten Kunden sind die „nicht prominenten“.

Verfügen Sie dank Ihrer Erfahrung über eine gute Menschenkenntnis?
Ich denke schon, dass ich ein gutes Feingefühl habe, außerdem kann ich mir gut Namen und Gesichter merken, das hilft mir im Job sehr.

Kommen auch mal Kunden, die sich daneben benehmen?
Die meisten Kunden sind sehr freundlich. Jetzt, während „Corinna“, wie ich Corona nenne, wollen manche ihre Masken nicht tragen, das passiert schon mal – und in letzter Zeit leider auch öfter. In der Hochsaison um Weihnachten und Ostern, wenn wir wegen des Andrangs Nummern ziehen lassen müssen, kommt es auch schon mal zu Missverständnissen. Aber die kriegen wir immer geklärt.

Kö-Center: Eingang zum Pralinenparadies
Kö-Center: Eingang zum Pralinenparadies

Es kommen sicher viele Touristen in das Verkaufsgeschäft an der Kö?
Ja, wir reden oft mit Händen und Füßen, wenn wir deren Sprache nicht sprechen. Auf Englisch geht es immer, und wir haben ja ein internationales Team. Ein Kollege zum Beispiel spricht türkisch und kann zur Not übersetzen, eine Kollegin spricht japanisch und koreanisch. Wenn wir nicht weiter wissen, lassen wir die Kunden einfach probieren. Das kommt immer gut an, die Leute finden das witzig und ungewöhnlich. Ein arabischer Kunde probierte sich kürzlich durch unser Pralinensortiment, sagte in gebrochenem Englisch „You are good!“ und kam nach diesem Erlebnis mit seiner ganzen Familie zum Großeinkauf wieder. Da haben unsere Produkte wohl für sich gesprochen.

Für welche Leckereien würden Sie selber alles stehen und liegen lassen?
Für Spaghetti Bolognese von meiner Mutter, bei ihr schmeckte es mir immer am besten. Auch für Reissahnetorte oder Mürbekekse von Heinemann. Und Markus­sterne, die es nur zur Weihnachtszeit gibt. Mit einer Tasse Kaffee sind die ein Highlight.

Sie arbeiten in der ersten Feinkostliga. Inwiefern wirkt sich das auf Ihre eigene Küche aus?
Ich selber koche nicht, ich gehe lieber essen. Auch dabei achte ich auf Qualität und Frische. Mein Gaumen ist durch meinen Job natürlich verwöhnt und wenn die Qualität nicht stimmt, esse ich lieber nichts. Das wäre ja sonst ein Abstieg.

Liebe Frau Behrens, danke für das Gespräch.

Ansicht Blumenstraße: links Kö, rechts Schadowstraße, in der Mitte Genuss
Ansicht Blumenstraße: links Kö, rechts Schadowstraße, in der Mitte Genuss

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