
In Duisburg, der südlichsten Stadt des Ruhrgebiets, schlägt das Herz der Menschen grün. Die Duisburger sind stolz auf ihre pulsierende Stadt zwischen Rhein und Ruhr, mit dem größten Binnenhafen der Welt. Hat sich ihre Heimat doch in den letzten Jahrzehnten vom Stahl- und Kohlerevier zum kreativen Standort für Industriekultur- und Geschichte, mit namhaften Museen und vielen Grünflächen gemausert. Die Duisburger gelten als geerdet und geradeheraus. Sie genießen ihre Stadt und deren Spezialitäten. Die feinen Produkte der Konditorei Heinemann kennt man dort seit den Neunzehnhundertsechzigerjahren. Sabine Nittke, Verkaufsleiterin, und Andreas Bolten, Küchenleiter auf dem Duisburger Sonnenwall 5, erzählen, warum sie in Duisburg so gerne leben und arbeiten und was die berühmten ‚Duisburger Knübbelkes‘ zum Geschmack dieser Stadt beitragen.




„Von Anfang an war das alles meins.“
Sabine Nittke, Verkaufsleiterin bei der Konditorei Heinemann Duisburg
Frau Nittke, Sie sind seit 45 Jahren bei der Konditorei Heinemann und heute Verkaufsleiterin am Standort Duisburg. Wie erklären Sie sich Ihre besondere Verbundenheit?
Nittke: Ich bin gebürtige Duisburgerin und habe von 45 Jahren bei einem Stadtbummel das toll dekorierte Heinemann-Schaufenster und die ansprechenden Produkte darin entdeckt. Mich hat das so sehr begeistert, so dass ich mich spontan bei der Konditorei Heinemann beworben habe. Ich wurde sofort angenommen, habe mich im Leben also nur ein einziges Mal bewerben müssen. Ab diesem Moment und bis heute bin total in meiner Arbeit aufgegangen. Denn ich liebe die Heinemann-Produkte, ich stehe zu unserer Qualität. Von Anfang an war das alles meins.
Bolten: Das ist ja ein Zufall! Auch ich habe mich nur einmal in meinem Leben beworben und das war bei der Konditorei Heinemann. Eine Parallele zwischen Frau Nittke und mir, von denen ich immer mehr entdecke, seit ich sie hier in Duisburg kennengelernt habe.
Haben Sie noch eine besondere Erinnerung an Ihre Anfangszeit bei Heinemann?
Nittke: Zu Anfang war ich schon sehr aufgeregt und auch ziemlich schüchtern. Erst hier habe ich gelernt, mich zu zeigen wie ich bin, offener zu werden. Ich habe mit der Zeit gemerkt, dass ich angenommen werden, wie ich bin. Meine Lehrzeit war schon anspruchsvoll und herausfordernd, es ging damals in jeder Hinsicht strenger zu als heute. Von uns wurden gute Noten erwartet, eine Drei wurde nicht akzeptiert. Bernd Heinemann erkannte mein Potenzial und wollte mir die Chance geben, eine Führungskraft zu werden. Er bot mir daher an, Erfahrungen an den anderen Heinemann-Standorten zu sammeln. Ich habe in jedem Geschäft alles aufgesogen und aus dem dort Gelernten meinen eigenen Führungsstil für Duisburg entwickelt.
„Eine gute Beratung und eine hervorragende Bedienung verschaffen unseren Kunden ein angenehmes Erlebnis.“
Andreas Bolten, Küchenleiter bei der Konditorei Heinemann Duisburg
Was hat sich bei der Konditorei Heinemann im Laufe der Jahre verändert?
Nittke: Ich würde sagen, dass wir noch freundlicher geworden sind. Dass wir noch besser auf den Kunden zugehen und auf ihn eingehen. Wir versuchen, jegliche Wünsche zu erfüllen und alles für den Kunden möglich zu machen. Kurz, immer noch ein Stückchen besser zu werden.
Bolten: Unser Ziel sind zufriedene Kunden und wir haben gemerkt, dass guter Service hierbei eine zunehmend große Rolle spielt. Das gute Produkt ist wichtig, aber eben auch, wie man es verkauft. Eine gute Beratung und Information über die Produkte sowie eine hervorragende Bedienung verschaffen unseren Kunden ein angenehmes Erlebnis. Und gerade beim Service sind wir zur Zeit mit unserem Duisburger Team sehr gut aufgestellt.
Herr Bolten, Sie sind als Küchenleiter von der Düsseldorfer Kö, wo Sie glücklich und zufrieden waren, nach Duisburg gewechselt. Wie kam es dazu?
Bolten: Letztes Jahr hatte ich einen schweren Bandscheibenvorfall und war 8 Monate krank, musste mich einer orthopädischen Behandlung und einer Reha unterziehen. Die Situation hat mich belastet und auch ratlos gemacht, zumal auch der Behandlungserfolg auf sich warten ließ. Ich suchte dann das offene Gespräch mit Heinz-Richard Heinemann. Er sagte mir, dass egal, was passiert, er mich nicht fallenlassen würde und gegebenenfalls meine Anstellung auf meine Bedürfnisse anpassen würde. Für mich war diese Zusage und dieser Beweis von Loyalität ein Gänsehautmoment und, da dieser kurz vor Weihnachten stattfand, auch ein riesengroßes Geschenk. So wurde ich vom Küchenleiter auf der Düsseldorfer Kö mit über 300 Plätzen zum Küchenleiter am Duisburger Sonnenwall mit ca. 100 Plätzen. Ich habe nun weniger Stress und konnte auch meine Stunden reduzieren, was meiner Gesundheit sehr zuträglich ist. Und da ich seit Jahren in Duisburg wohne, entfällt auch das Pendeln nach Düsseldorf. Dazu kommt, dass ich mich hier vom ersten Tag an wohl gefühlt habe, das Team hat mich herzlich aufgenommen und es fühlte sich fast an, wie nach Hause zu kommen. Alles in allem eine Win-win-Situation, mit der ich sehr glücklich bin.

„Dinosaurier sind ausgestorben, wir nicht.“
Andreas Bolten
Sie sind seit 1979 beziehungsweise 1984 bei der Konditorei Heinemann. Fühlen Sie sich als Dinosaurier?
Nittke: O nein, wirklich nicht! Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, eines Tages hier aufzuhören.
Bolten: Dinosaurier sind ausgestorben, wir nicht. Im Gegenteil: Wer motiviert ist, kann bei Heinemann so viel bewegen. Gerade in Duisburg ist das Café-Restaurant nicht so groß, da geht vieles auf dem kleinen Dienstweg, hier ist alles etwas übersichtlicher und das Team bereits gut zusammengewachsen. Man versteht sich und vertraut sich. Ich sehe jedoch verschiedene Aspekte, die noch verbessert werden könnten und bin hochmotiviert, hier etwas zu bewegen.

„Ich würde Heinemann einen Preis für besondere Menschlichkeit
Sabine Nittke
und Herzlichkeit verleihen.“
Kürzlich besuchte die Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW, Silke Gorißen, die Konditorei Heinemann. Diese war von ihrem Ministerium mit dem Preis Meister.Werk.NRW für hervorragende Qualität im Handwerk ausgezeichnet worden. Wenn Sie einen Preis zu vergeben hätten, für was würden Sie die Konditorei Heinemann auszeichnen?
Bolten: Ich würde einen Preis für ausgefallene Produktpräsentation verleihen. Ich empfinde unsere liebevolle Präsentation und die Gestaltung der Produkte als Alleinstellungsmerkmal. Unsere Spezialitäten sind nicht nur absolut einzigartig, sie sind auch wiedererkennbar. Und auch unsere Kunden honorieren dies.
Nittke: Übrigens gestalte ich die Auslagen im Laden und im Schaufenster oft um, passe mich den Vorlieben der Kunden an, auch das ist wichtig. Aber welchen Preis würde ich wohl verleihen? Vielleicht den für besondere Menschlichkeit und Herzlichkeit. Man sollte ja denken, dass diese Eigenschaften überall zu finden wären, das sind sie aber leider nicht. Und ein weiterer Preis fiele mir ein: der für gelebte Frauen-Power. Beim Familienunternehmen Heinemann sind Frauen ganz stark vertreten und schmeißen den Laden.
„Bei Heinemann kann man der Flüchtigkeit des Lebens etwas entgegensetzen.“
Andreas Bolten
Heinemann steht für Tradition, Qualität und Familiensinn. Mit welchen Worten würden Sie interessierte Bewerber in die Heinemann-Familie einladen?
Bolten: In der schwierigen und komplexen Zeit, in der wir leben, ist es doch eine Wohltat, eine Insel der Sicherheit und des Wohlbefindens zu finden. Bei Heinemann kann man der Flüchtigkeit des Lebens etwas entgegensetzen. Man genießt hier Vertrauen und erfährt, was Teamgeist bedeutet. Und wir können immer miteinander reden. Sollte es mal Probleme geben, finden wir eine Lösung. Wer sich hier integriert, wird nicht alleingelassen.
Nittke: Auch der Aspekt unserer langen Tradition ist wichtig. Dass Heinemann schon über 90 Jahre existiert und erfolgreich ist, erzeugt das Gefühl von Geborgenheit. Gerade neuen Mitarbeitern erzählen wir gerne unsere Geschichte, es ist wichtig, dass sie diese kennen. Und wir heißen gute Leute immer herzlich willkommen und arbeiten sie sehr gut ein, seien es Kollegen vom Fach oder Quereinsteiger.

„I love Duisburg!“
Andreas Bolten
Duisburg liegt an der Grenze zum Ruhrgebiet und wurde früher dominiert durch Kohle, Eisen, Stahl. Mit der Stadt assoziierte man Lärm, Dreck und Tristesse. Was sehen Sie heute, wenn Sie durch Duisburg gehen?
Nittke: Grün! Ich sehe sehr viel Grün. Und Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben.
Bolten: Genau. Ich könnte jederzeit ein Herz hochhalten, auf dem steht „I love Duisburg“.
Herr Bolten, was empfinden Sie als das Besondere an den Duisburgern?
Bolten: Die Duisburger sehen ihre Stadt ganz anders, als sie von außen betrachtet wird. Bei Ortsfremden schwingen womöglich noch gewisse Vorurteile mit. Aber Duisburg ist nicht dreckig sondern picobello sauber. Es blühen überall Blumen, es gibt viele Grünflächen. Gleichzeitig ist hier alles ehrlicher als woanders, was auch bedeutet, dass Probleme, die jede Großstadt hat, hier nicht unter den Teppich gekehrt werden sondern sichtbar sind. Die Duisburger selbst sind sympathisch und humorvoll. Und sie haben einen gesegneten Appetit. Ich habe es ein paar Mal erlebt, dass man mir bei meinen Rundgängen durchs Restaurant sagte, es hätte gut geschmeckt, aber man hätte sich eine etwas größere Portionen gewünscht. Wenn ein Gast uns dies rechtzeitig mitteilt, stellen wir uns gerne darauf ein oder reichen nach Möglichkeit noch ein paar Beilagen nach. Während meiner Jahre in Düsseldorf habe ich diese Bitte jedoch nie gehört. Ich denke, unsere Portionen sind gut und reichlich bemessen. Aber möglicherweise arbeitet der Duisburger ja härter und hat daher mehr Hunger (lacht).

„Einige unserer Stammkunden fragen uns ganz direkt nach einem ‚Leckerchen‘.“
Sabine Nittke
Frau Nittke, wie würden Sie die Menschen charakterisieren, die Sie hier bedienen?
Nittke: Ich denke, die Duisburger sind ein sehr direktes Völkchen, sehr verbunden mit ihrer Stadt und mit ihrer Industrie, die stolz sind auf ihr Erbe und auf ihre Industriekultur. Viele unserer Kunden sind Stammkunden, zu ihnen haben wir ein herzliches Verhältnis. Einige Stammkunden fragen uns auch ganz direkt nach einem ‚Leckerchen‘. Und wir lassen sie gerne die ein oder andere Praline probieren, das gehört zur Kundenbindung dazu. Manch andere Kunden weisen uns auf ihren Geburtstag hin, die bekommen dann auch ein Pralinchen geschenkt. Manche freuen sich dann wie die Kinder und sagen ‚Hach schön, jetzt habe ich geschnorrt und tatsächlich etwas bekommen.‘ (lacht) Die Duisburger sind einfach wunderbar bodenständig und unkompliziert, es liegt ihnen fern, sich aufzuspielen oder sich wichtigzumachen. Übrigens kommen auch aus den umliegenden Städten Kunden zu uns, aus Essen, Mülheim oder vom linken Niederrhein. Wir sind ja der nördlichste Zipfel des ‚Heinemann-Reiches‘ und zudem eine der am längsten bestehenden Filialen, uns gibt es in Duisburg seit den Neunzehnhundertsechzigerjahren.
Duisburg hat den größten Binnenhafen der Welt. Merkt man den Duisburgern eine gewisse Weltoffenheit an?
Nittke: Wir merken die Hafennähe daran, dass Besuchergruppen, die eine Hafenrundfahrt gemacht haben, anschließend die Konditorei Heinemann besuchen, zum Mittagessen oder zum Kaffee mit Kuchen.
Bolten: Ich erlebe, dass die Duisburger stolz auf ihren großen Hafen sind. Ebenfalls auf ihre Kultur, beispielsweise die Museen – allen voran das Lehmbruck-Museum oder das Museum Küppersmühle.
„Viele Kunden honorieren, dass wir vorrangig regionale und saisonale Produkte anbieten.“
Sabine Nittke
Welche Heinemann-Spezialitäten lieben die Duisburger besonders zum Mittagessen oder zum Kaffee?
Nittke: In der 24. oder 25. Kalenderwoche bekommen wir wieder unsere köstlichen Himbeer-Maracuja-Törtchen. Die könnten wir das ganze Jahr verkaufen, so beliebt sind sie. Darauf wird regelrecht hingefiebert. Ebenso auf unsere Erdbeertorten zur Erdbeerzeit oder auf die Pflaumentorten, wenn die guten Auerbacher Pflaumen reif sind. Die meisten Kunden verstehen und honorieren auch, dass wir das Konzept haben, vorrangig regionale und saisonale Produkte anzubieten. Bei den Pralinen lieben unsere Gäste unsere prämierten Trüffel mit Champagne, in die wirklich viel Champagne hineinkommt. Aber auch unsere neue Kreation, die ‚Knusperli‘, eine feine Nougatpraline, mit Waffelschichten, die zart im Mund knuspern, kommen hervorragend an. Beliebt sind auch unsere Apfeltorten. Ach, wenn ich so nachdenke, eigentlich alles.
Bolten: Unsere klassischen Eintöpfe gehen bei den Duisburgern sehr gut, sie sind ja auch frisch und lecker und mit natürlichen Zutaten gekocht. Eben echte und ehrliche Hausmannskost, ohne jegliche Geschmacksverstärker. Der Sauerbraten oder die Rinderroulade werden auch sehr gerne verzehrt.



„Wir nehmen eben von allem nur das Beste und das schmeckt man.“
Sabine Nittke
Schon Hermann Heinemann hat 1938 die Herrentorte erfunden, das Rezept ist ein gut gehütetes Familiengeheimnis. Die Torte wurde weltweit kopiert. Was zeichnet das Original aus?
Nittke: Die schöne Saftigkeit, die besonders feine Mandel-Weincreme, dazu gute Butter und viel echte Vanille ergeben ein ganz besonderes Genusserlebnis. Wir nehmen bei der Herstellung unserer Herrentorte von allem nur das Beste – und das schmeckt man.
Die Konditorei Heinemann hat eine besondere Duisburger Städtespezialität im Angebot, die
‚Duisburger Knübbelkes‘. Woher kommt der Name und was macht die ‚Knübbelkes‘ besonders?
Nittke: Schon der Name ist ein echter Duisburger Begriff: ‚Knübbelkes‘ bedeutet Knoten, auch im Sinne von Herausforderungen. ‚Knübbelkes‘ hat man zu lösen oder zu überwinden, und die Duisburger haben in ihrer Geschichte schon so manches Problem erfolgreich überwunden. Die ‚Duisburger Knübbelkes‘ hingegen machen niemandem zu schaffen, sie lösen sich während des Genusses von selbst auf. Wir sprechen von einer ganz feinen Pralinenpastete, gefüllt mit einer Schokoladentrüffelmasse und Marzipan. Umhüllt werden sie von einer Zartbitter-Kuvertüre mit gehackten Mandeln und Haselnüssen. Sehr lecker.
„Kommissar Schimanski hätte die Heinemann-Currywurst bestellt.“
Andreas Bolten
Was würde der von vielen Fernsehzuschauern sehr verehrte Duisburger ‚Tatort‘-Kommissar Horst Schimanski (alias Schauspieler Götz George, 23.7.1938–19.6.2016) wohl in der Konditorei Heinemann bestellen?
Bolten: Die Figur Horst Schimanski war ja ein eher rauer und burschikoser Typ und berühmt für seine Vorliebe für Currywurst. Ich denke also, dass er unsere Currywurst bestellt hätte. Zusammen mit einem zünftigen Altbier. Wir servieren die Heinemann-Currywurst übrigens in bester Metzgerqualität, mit hausgemachter Soße und mit wunderbar knusprigen Bratkartoffeln.
Nittke: Im ‚Tatort‘ aßen Schimanski und sein Kollege Tanner auch gerne Grillagetorte. Die beiden hätten die besonders leckere Heinemann-Grillagetorte sicher gemocht. Ich denke, auch unser restliches Angebot (lacht).
Bolten: Wir bieten tatsächlich das perfekte „Schimanski-Menü“: als Hauptgericht Currywurst und zum Nachtisch Grillagetorte. Im Übrigen hatten wir während meiner Zeit in Düsseldorf oft prominente Gäste, die ebenfalls unsere Currywurst liebten, zum Beispiel der Fußballspieler Christoph Kramer. Früher war auch der Sänger Udo Jürgens Stammgast auf der Kö. Er liebte unseren ‚Strammen Max‘ mit Kartoffelsalat. Auch wenn das gar nicht auf der Karte stand, bereiteten wir das Gericht gerne für ihn zu.
Ist auch bei Heinemann in Duisburg Prominenz zu Gast?
Nittke: Die Schauspielerin Inge Meysel kam gerne bei uns vorbei, wenn hier Dreharbeiten stattgefunden haben. Auch ihre Schauspielkollegin Iris Berben war öfter bei uns zu Gast. Eine ganz tolle Frau, so natürlich und freundlich, von ihr war ich tatsächlich sehr begeistert.

„Jeder hier gibt jeden Tag sein Herzblut.“
Andreas Bolten
Was, würden Sie sagen, macht die Heinemann-Community besonders?
Bolten: Unsere Verbindlichkeit, unser Zusammenhalt, unser Stolz auf das Unternehmen und auf den Erfolg, an dem jeder Einzelne im Team mitgearbeitet hat. Jeder hier gibt jeden Tag sein Herzblut. Oder wie unser Chef Heinz-Richard Heinemann zuletzt zu mir gesagt hat: ‚Solange du mich nicht enttäuschst, enttäusche ich dich auch nicht.‘ Das ist wie ein Vertrag, der mit Handschlag geschlossen wird, hierfür bedarf es keiner schriftlichen Fassung, das funktioniert auch so. Dieses Gefühl muss man selbst erlebt haben, um es zu verstehen.
Nittke: Und wir laden alle ein, diese besondere Arbeitsatmosphäre in der Konditorei Heinemann kennenzulernen. Jeder kann sich bei uns bewerben.
Haben Sie hier als Team Duisburg ein Motto bei der Arbeit, mit dem Sie sich motivieren?
Nittke: Auf los geht´s los!
Wie würden Sie Ihren Chef, Konditormeister Heinz-Richard Heinemann beschreiben?
Nittke: Er ist ein sehr strukturierter Mensch und er nimmt alles wahr, was wir ihm erzählen, ob es Sorgen oder Nöte sind, oder auch schöne Sachen. Er versucht, uns mit guten Ratschlägen zur Seite zu stehen oder Vorschläge zu machen, wie man Situationen verbessern kann. Er hat immer ein offenes Ohr und das schätze ich seit den vielen Jahren, die ich nun hier bin, sehr an ihm.
Bolten: Heinz-Richard Heinemann ist sehr aufmerksam, er sieht einfach alles, auch das, was nicht so gut läuft. Dabei ist er aber so fair, nicht alles direkt anzusprechen. Sein Stil ist es, erst mal in Ruhe darüber nachzudenken und die Gründe und Möglichkeiten zu analysieren. Später kommt er dann mit dem Thema auf uns zu und hat oft schon die Lösung im Gepäck. Er ist auch absolut verlässlich. Einfach ein toller Chef.
„In der Konditorei Heinemann arbeiten viele Nationalitäten, ungeachtet ihrer Herkunft, friedlich und wertschätzend zusammen.“
Sabine Nittke
Mir fiel auf, dass Sie hier in Duisburg auch asiatischstämmige Kollegen im Verkauf und im Service haben. Sie sind also ein richtig internationales Team?
Nittke: Ja, und das funktioniert wunderbar und ist für uns bereichernd. Frau Tran stammt aus Vietnam und hat gerade ihren Sprachtest bestanden. Sie ist noch dabei, sich bei uns einzuarbeiten und wird jeden Tag besser. Und Herr Go ist eine feste Instanz in unserem Serviceteam. Seine Familie stammt ursprünglich aus Südkorea. Wir haben aber auch andere Nationalitäten im Team, beispielsweise eine albanische Kollegin. Grundsätzlich arbeiten in der Konditorei Heinemann viele Nationalitäten, ungeachtet ihrer Herkunft, friedlich und wertschätzend zusammen. Und natürlich ist auch unsere Kundschaft multikulturell. Wir sind offen für jeden.



„Die Konditorei Heinemann und meine Arbeit hier, dass waren und sind für mich meine Anker im Leben.“
Andreas Bolten
Was ist das Wichtigste, was Sie während Ihrer Zeit bei Heinemann mitgenommen haben?
Nittke: Dass ich durchaus meine Meinung vertreten darf und ganz bei mir sein kann. Dass ich mit meiner Persönlichkeit angenommen werde. Eine für mich eindrückliche Erfahrung war es, als ich meine schwer pflegebedürftige Mutter betreuen musste. Ich durfte mich hier herausziehen und auf eine Dreitagewoche reduzieren, um dieser familiären Aufgabe gerecht zu werden. Später habe ich dann wieder Vollzeit gearbeitet. Diesen Freiraum zu bekommen, habe ich Herrn Heinemann hoch angerechnet.
Bolten: Für mich was es die wichtigste Erfahrung, dass ich hier auch bei persönlichen Problemen und in Krisenzeiten aufgefangen werde. Ich habe gelernt, dass ich offen kommunizieren und mich anvertrauen kann und dass mir auch geholfen wird. Das versuche ich weiterzugeben. Ich weiß auch, solange ich hier meine Leistung bringe, werde ich immer mein Auskommen haben. Wegen meines Bandscheibenvorfalls konnte ich aktuell meine Stunden reduzieren und das tut mir gut. Wenn es mir wieder besser geht, kann ich wieder aufstocken. Dafür bin ich sehr dankbar. Und das verschafft mir ein unglaublich beruhigendes Gefühl und auch ein Gefühl der Wertschätzung. Die Konditorei Heinemann und meine Arbeit hier, dass waren und sind für mich meine Anker im Leben.


„Familie ist mein Universum.“
Sabine Nittke
Sie sind in leitender Position im Familienunternehmen Heinemann. Was bedeutet für Sie persönlich Familie?
Nittke: Familie ist für mich das Allerwichtigste, das Wertvollste. Sie ist mein Universum. Und mein Mann und ich haben eine ganz wunderbare Tochter.
Bolten: Meine Familie bedeutet mir alles, einfach alles! Nächstes Jahr bin ich 25 Jahre glücklich verheiratet mit meiner Frau. Wir haben unseren Wohnwagen in Holland stehen und kürzlich ein paar Tage dort verbracht. Ganz überraschend kam dann unsere Tochter mit ihrem Freund vorbei. Und wir hatten – trotz Dauerregens – die schönste und harmonischste Zeit zusammen, die man sich vorstellen kann. Es war einfach nur toll.
Worauf freuen Sie sich, wenn Sie abends nach Hause kommen?
Nittke: Auf meinen Mann und auf ein kurzes Telefongespräch mit unserem Mädel. Sie arbeitet im sozialen Bereich, mit schwer erziehbaren Mädchen. Sie hat oft lange Schichten zu bewältigen und studiert noch nebenbei. Dieser tägliche Kontakt ist uns allen wichtig. Wir haben früher alles für unser Kind getan und dürfen jetzt erleben, wie wir alles zurückbekommen.
Bolten: Ich freue mich jeden Abend auf meine Frau. Und was unsere Tochter betrifft, geht es mir wie meiner Kollegin Frau Nittke. Ich bin froh und dankbar, dass unser Kind im Leben besteht und glücklich ist. Und auch wir bekommen so viel zurück.
Die Konditorei Heinemann gibt es seit über 90 Jahren, hier wird Tradition großgeschrieben.
Gibt es Traditionen, die Sie privat nicht missen möchten?
Nittke: Das gemeinsame Frühstück und das gemeinsame Abendbrot. Wenn ich frei habe, koche ich für die Familie, so dass wir gemeinsam an einem Tisch sitzen können. Früher zu dritt und nun zu viert, denn wir haben jetzt einen ganz lieben zukünftigen Schwiegersohn.
Bolten: Das ist bei uns ähnlich, nur dass ich meine Tochter nicht mehr so oft sehe, weil sie ziemlich viel unterwegs ist.
Für welche Heinemann-Leckereien würden Sie selber alles stehen und liegen lassen?
Bolten: Eindeutig für die Esterházy-Torte! Aber auch die Pralinencremetorte ist genau meine.
Nittke: Verrückt, wie viele Ähnlichkeiten es zwischen uns gibt, denn das sind auch meine Favoriten. Dazu noch die ‚Knusperli‘, das sind meine Traumpralinen.
Bolten: Die liebe ich auch so! (beide lachen)
„Ich bin jeden Tag glücklich, hier zu sein.“
Sabine Nittke
Was ist für Sie das Sahnehäubchen im Leben?
Nittke: Eine glückliche Familie und eine tolle Arbeit zu haben. Ich bin jeden Tag glücklich, hier zu sein. Ich gehe so gerne arbeiten. Wenn man mich fragt, wann ich meinen Ruhestand antreten werde, bin ich ganz irritiert. Zum Glück ist der ja noch ein paar Jahre hin. Und eigentlich kann ich mir einen Ruhestand auch gar nicht vorstellen. Schon nach einem kurzen Urlaub höre ich von meinen Kunden ‚Mensch, wir haben Sie vermisst, ihr strahlendes Lächeln hat uns gefehlt‘. Da mag ich noch nicht ans Aufhören denken.
Bolten: Ja, Frau Nittke hat in 45 Jahren bei Heinemann eindeutig Ihre Spuren hinterlassen. Ich selbst habe nur den Wunsch, wieder ganz gesund zu werden. Das wäre mein Sahnehäubchen. Und dieses Restaurant zu führen, als wäre es meins.
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!

Fotos: Martin Blum/mind.work